Gelb – Kapitel 5-7

Hey Leute,

da GELB echt gut ankommt, gibt es heute Nachschlag. Kapitel 5 bis 7.

Viel Spaß damit und Stay tuned

KAPITEL 5: DER HEIMWEG

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

Wir verabschieden uns von dem Rest der Mannschaft, die noch vor Ort ist. Gerne würde ich noch mit Sandra reden, aber Melanie (ihre beste Freundin) erzählt mir, dass Sandra direkt nach dem Spanner-Ansturm (wie sie es nannte) nach Hause sei.

Achim (unermüdlich im Auftreiben von Alkohol) schaff es tatsächlich, uns noch Weg-Biere zu besorgen. Eine Kunst, für die wir ihm sehr dankbar sind.

Also begeben wir uns auf den müh- und alkoholseeligen Weg zu selbigem. Wir gehen unter sternenklarem Himmel und nehmen die vielfältigen Gegebenheiten einer angehenden Sommernacht nicht wirklich wahr. Grillen zirpen ohne unsere Kenntnis, Glühwürmchen sind im Paarungsmodus, die Nachtigall singt ihr Abendlied. Alles ohne uns.

Ich bin in ein Gespräch mit Julius vertieft (gewinnt Terminator gegen Robocop), als ich aufschrecke. Etwas ist vor mir und an dem angsterfüllten Blick von Julius sehe ich, dass er es auch sieht. Etwas gelbes schält sich durch die Dunkelheit. Etwas unangenehm gelbes. Etwas sehr dominantes und bedrohliches. Ich kann es nicht direkt zuordnen, da es mich blendet, obwohl ich nicht sonderlich hell angestrahlt werde. Und auf einmal ist es nicht mehr da. “Was war das”, frage ich Julius, der genauso ungläubig ausschaut, wie ich mich fühle. Ich merke, dass er darum ringt, weiter zu reden. Schließlich sagt er: “Alter, war das Kasim?”. Ich nicke nur stumm und wir gehen weiter. “Vorhin war er auch schon da”, nehme ich das Gespräch wieder auf. “Als du so merkwürdig drauf warst?”, fragt er mich. “Genau”, kommt meine Antwort. “Wie kann das sein”, fragt Julius mich, “ich meine, er ist halt”, “tot”, beende ich den Satz. Wir beschließen stumm, die anderen zu fragen, was sie sahen. Alle erzählen, dass sie etwas merkwürdiges gesehen haben, aber keiner kann es benennen. Mein Bruder kommt noch am nächsten daran als er meint, “das sah aus, wie ein gelbäugiger Türke”.

Nachdem  nicht viele die selbe “Eingebung” wie wir haben, beschließen Julius und ich, nichts mehr darüber zu sagen. So gehen wir unseren Weg still weiter.

“Scheiße” dröhnt es auf einmal an unsere Ohren. Alarmiert schauen wir auf, nur um dann zu vernehmen, dass Achim und Ralf kein Bier mehr haben. Nicht sonderlich enttäuscht von dieser Botschaft, setzen wir unseren Weg fort.

Wir beide (denke ich) versuchen uns abzulenken, indem wir uns wieder der “Robocop gegen Terminator” Sache widmen. “Alter”, beginne ich, “Robocop ist einfach der Hammer. Es gibt  nur einen und der schlägt jedem verdammten Terminator in die Flucht”. “Niemals”, kontert Julius. “Der Terminator kann durch die Zeit reisen und Robocop auf jeder beliebigen Zeitebene zerstören”. “Nein”, kommt es von mir. “Wenn dem so wäre, würde es, wenn überhaupt, nur einen Teil von Terminator geben”. “Wie?” fragt Julius. “Ganz einfach”, beginne ich, “wenn der Terminator genau dann da sein kann, wo er sein will, dann verhindert er alle Angriffe gegen ihn.” “Das ist doch absoluter Unsinn”, erwidert Julius, “ich mein, er…

Gleißend helles, gelbes Licht strömt direkt in meine Augen. Es tut so weh, als würde mir jemand tausend Nadeln in die Augen stechen. Der Schmerz hört nicht auf, sondern wird noch viel schlimmer und intensiver. Ein Gedanke entwickelt sich in meinem Kopf, doch ich kann ihn vor Schmerzen kaum greifen. Ich denke mir, dass sich so ähnlich eine Frau fühlen muss, die gerade ein Kind bekommt, als der Schmerz abrupt abbricht. Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Was war das gerade? Wieder Kasim? Aber warum? Was soll das alles? Fragen über Fragen. Ich versuche, einen kühlen Kopf zu bewahren und sehe mich um. Meinen Leuten scheint es ähnlich gegangen zu sein wie mir, denn sie schauen alle sehr verängstigt drein.

“Was war das”, schreit Achim, der schlagartig wieder nüchtern zu sein scheint. Julius, Ralf und mein Bruder schauen ihn nur mit vor Angst geweiteten Augen an. Sie haben, genau wie ich, keine Ahnung, was das war.

“Was habt ihr gesehen”, frage ich in die Menge. “Gelbes Licht und Schmerzen”, antwortet mein Bruder. Die anderen nicken. Also hatten wir diesmal alle dieselbe Wahrnehmung. “Was soll das alles?”, beginnt Ralf leise zu sagen. “Wir haben doch niemandem etwas getan. Warum passiert uns das hier? Wir wollten doch nur eine schöne Zeit haben und jetzt das. Dieser Mist”, schließt er und lässt sich gegen einen Baumstamm fallen. Er ist fix und fertig. Genau wie wir anderen auch. Wir haben Angst und sind verunsichert. Gar keine schöne Kombination. Nach kurzem Durchatmen beschließen wir, weiter zu gehen und uns in die vermeintliche Sicherheit von Achims Wohnung zu flüchten.

Wortlos treten wir den Rest des Weges an, der glücklicherweise ohne Zwischenfälle daherkommt.

 

KAPITEL 6: DER ÜBERGANG

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

 

Wir sind alle erleichtert, als wir bei Achim ankommen. “Setzt ihr euch schon mal hin, ich hole uns etwas zu trinken”, meint er. Gute Idee. Wir begeben uns auf die Couch und warten stumm, bis Achim wieder kommt. Nach ca. 5 Minuten erscheint er, mit einer schönen Flasche in den Händen, in der eine bräunliche Flüssigkeit schimmert. “Don Papa Rum”, meint Achim kurz angebunden. “Eigentlich wollte ich ihn für eine besondere Gelegenheit aufheben, aber ich denke, dass hier ist auch irgendwie eine besondere Gelegenheit”, fährt Achim fort. Er stellt die Flasche auf den Tisch, geht zum Schrank und nimmt 5 schön geschwungene Rumgläser hervor. Danach öffnet er die Flasche und schenkt jedem von uns ein Glas aus. Ich rieche an dem Rum und Vanille, sowie Honigaroma offenbart sich mir. Ein schöner Gedanke, nun endlich in Sicherheit zu sein und hochwertigen Rum zu genießen. Hoffentlich bleibt es auch so, denke ich bei mir. “Prost, auf die Farbe Gelb”, sagt Achim und hebt sein Glas. Ich finde, dass dies ein reichlich makaberer Trinkspruch ist, stimme aber dennoch ein. Die anderen wiederholen den Spruch auch und so trinken wir. Der Alkohol rinnt warm, süß und angenehm meine Kehle hinab. Ich habe das Gefühl, dass er meinen ganzen Körper erwärmt und auch ein Stück meiner Sorgen wegspült. Wie Kaffee mit Zauberwirkung. Den anderen geht es ähnlich, wie ich an ihren Gesichtern erkennen kann.

“In was sind wir da reingeraten”, fragt mein Bruder etwas mürrisch. Wir sehen uns alle fragend an, bis Ralf antwortet: “Ich habe absolut keine Ahnung. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es erscheint so unwirklich und ich kann es nicht zuordnen”. “Mir geht es genauso”, ergreift Julius das Wort, “was war das? Wie kann so etwas sein? Und warum geschieht es gerade uns. Ich meine, haben wir irgendwem oder”, er stockt kurz, “irgendetwas auf die Füße getreten? Ich jedenfalls kann mich nicht daran erinnern”. Achim, sieht ihn verwirrt an und fragt schließlich: “was meinst Du mit irgendetwas”? “Nun ja”, fährt Julius fort, “das war ja wohl kaum irgendein Wetterphänomen oder so. Kein Wetterphänomen tut so weh, es sei denn, du wirst von einem verdammten Blitz getroffen. Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir von einem verdammten Blitz getroffen wurden”. “Schon klar”, meint Achim, “aber das heißt noch lange nicht, dass es etwas Übernatürliches war”.

“DOCH”, dröhnt eine dunkle Stimme aus dem Fernseher, der eigentlich ausgeschaltet ist. Alle Köpfe rucken Richtung des TV-Gerätes. Wir sehen einen schwarzen Bildschirm, in dem ein gelbes etwas schimmert, wie eine gelbe Rauchwolke auf schwarzem Himmel. Das Gelb erinnert mich schmerzhaft an die Geschehnisse im Wald. Keiner von uns ist imstande den Kopf vom Gerät abzuwenden, geschweige denn etwas zu sagen. Wir starren gebannt und warten, was als nächstes kommt. “Das was gerade mit Euch geschieht, ist etwas, was ihr Menschen als Übernatürlich bezeichnen würdet”, fährt die unangenehme, dunkle Stimme fort. “Die nächsten Jahre werden für Euch schnell vergangen sein. Aufgaben gilt es zu erfüllen. Einige oder alle von euch werden sterben. Und wir werden unseren Spaß dabei haben”. Die Stimme verstummt und es herrscht eine unangenehme Spannung im Raum und eine Stille, die so unnatürlich ist, wie die Stimme zuvor. Keiner sagt etwas, von uns ist noch niemand zum Reden fähig und die Stimme scheint alles gesagt zu haben, was es in diesem Fall zu sagen gibt. Meine Gedanken überschlagen sich. Warum werden die Jahre schnell vergehen… Welche Aufgaben werden wir erfüllen müssen?  Und sterben werden einige oder alle. Das macht mir eine unsagbare Angst. Es ist so surreal. Eben noch hatten wir einen schönen Abend auf einer Feier. Alles war normal. Und nun das? Mir wird schwindelig und etwas übel. Wir hängen alle unseren Gedanken nach, bis ich mich schließlich zu Wort melde. “Scheiße”, sage ich, “verdammte Scheiße. Was machen wir jetzt”? Es kommt keine Antwort. Keiner kann mit der Situation umgehen. Kein Wunder, denn wer hat so etwas schon mal erlebt. “Wir werden alle sterben”, schreit Ralf. Dann springt er auf und rennt aus dem Raum. Wir laufen ihm nach, bis er vor der Tür stehen bleibt, “ich will nicht sterben” schreit, und dann zusammenbricht. Achim ist direkt über ihm und versucht, ihn wieder aus der Ohnmacht zu reißen. Nach einigen Ohrfeigen und zureden kommt Ralf wieder zu sich. “Geht es wieder”?, fragt Julius. “Ja”, kommt die knappe Antwort. Ich für meinen Teil habe genug von diesem Tag. Ich beschließe, mich soweit zu betrinken, dass ich halbwegs einschlafen kann und dann zu Bett zu gehen. Ich teile den anderen meinen Vorschlag mit und sie tun es mir gleich. Wortlos trinken wir Glas für Glas an Rum und Flasche für Flasche an Bier. Ansonsten ist es still im Zimmer. Keiner möchte etwas sagen. Jeder ist in seinen eigenen Gedanken gefangen.

Schließlich macht sich der Alkohol soweit bemerkbar, dass ich den anderen mitteile, mich nun ins Bett zu begeben. Ich gehe ins Gästeschlafzimmer von Achim, ziehe mich aus und lege mich ins Bett. Ich schlafe ein, bevor mein Kopf das Kissen berührt.

Auf einmal befinde ich mich auf einer schwarzen Steinplatte. Ich sehe nichts. Es fühlt sich komisch an, anders als sonst. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll oder woran es liegt. Die Luft ist irgendwie falsch. Genau wie die ganze Atmosphäre dort, wo auch immer ich bin. Ich vermute, dass es sich um einen Traum handelt und beschließe, erst einmal nichts zu tun. “DEINE CHANCE IST SIEBEN” donnert eine Stimme in meinem Kopf. “SIEBEN”.

 

KAPITEL 7: DER GELBE JAHRMARKT

 

???

???

???

 

Ich erwache. Ich habe starke Kopfschmerzen und meine Liegeposition ist äußerst ungemütlich. Als ich meine Augen öffne sehe ich nur Schwärze. Sonst nichts. Undurchdringliche Schwärze. Diese untermalt von dem schmerzenden Pochen in meinem Kopf. Wo bin ich hier? Anscheinend liege ich auf einem Steinboden, soweit ich das fühlen kann. Kein gemütliches Bett, kein kuscheliges Kissen und keine warme Decke. Was ist passiert? Wie komme ich hierher? Ich beschließe, mir meine “Behausung” etwas näher anzusehen, anzufühlen.

Ich versuche auf zu stehen und merke, dass ich noch sehr wackelig auf den Beinen bin. Also lasse ich mich wieder in eine sitzende Position nieder. Ich versuche zu überlegen, was als letztes passiert ist. Langsam kommen die Erinnerungen an das Fest zurück. Und die Erinnerungen an Kasim und die Geschehnisse im Wald, sowie bei Achim. Und mein Traum von letzter Nacht. Sieben ist meine Chance… Was soll das? Ich beschließe, noch eine Weile sitzen zu bleiben und mich zu regenerieren. Fünf Minuten oder auch zehn, ich weiß es nicht genau, sitze ich nur still da und konzentriere mich auf meine Atmung, um ruhig zu werden. Dann versuche ich einen zweiten Anlauf und stehe auf. Diesmal funktioniert es. Ich bin zwar immer noch nicht vollkommen sicher auf den Beinen, aber ich kann stehen bleiben und sogar gehen.

Es ist immer noch stockfinster und mein Kopf schmerzt. Ich gehe also langsam nach vorne und halte meine Hände tastend vor mich. Ich wundere mich darüber, wie groß dieser Raum oder diese Fläche ist. Ich kann eine ganze Weile gehen, ohne wieder etwas zu stoßen und zum Glück auch, ohne über etwas zu stolpern. Nach einer Zeit berührt meine Hand eine Mauer aus groben Backsteinen, wie ich vermute. Ich taste mich an diesen entlang, bis ich an eine Art Schalter gelange. Ein Schalter? Jegliche Art von Strom und sonstigen Annehmlichkeiten, hätte ich dieser Umgebung nicht zugetraut. Ich beschließe, den Schalter zu betätigen.

Dies führt dazu, dass mein Kopf noch mehr gequält wird, da plötzlich ein helles Licht den Raum beherrscht. Ich schließe die Augen und blinzle immer wieder, bis sich meine Sehwerkzeuge an die Lichtmassen gewöhnen. Als ich endlich etwas erkenne werde ich nicht schlau, aus der Umgebung. Ich stehe in einem kreisförmigen Raum aus Stein. Der Raum ist umgeben von einer steinernen Wand. Diese wird lediglich von einer Tür und dem genannten Schalter “verziert”. Ansonsten ist da nichts, außer…

Außer, dass der Raum keine Decke hat. Das ist mir gar nicht aufgefallen, weil er so hoch ist. Aber er hat keine Decke. Und so sehe ich einen schwarzen Himmel, der von etwas gelbem durchzogen ist, wie wenn man Zigarettenrauch aushaucht. Das gelbe wabert durch den schwarzen Himmel. Mir läuft es kalt den Rücken herunter. Es ist mir irgendwie zuviel Gelb in der letzten Zeit. Viel zu viel. Außerdem möchte ich wissen, wo ich bin. So gehe ich zu der Tür. Ich entdecke schnell, dass sie nicht abgeschlossen ist. Zuerst lausche ich, kann aber keine Geräusche ausmachen. Dann lösche ich das Licht, damit ich keine Aufmerksamkeit errege und mache die Tür einen Spalt weit auf. Ich schaue durch den Spalt und sehe einen Bierstand. Ich habe an diesem Ort alles erwartet. Einen Kerker, Folterinstrumente, Drachen, Elfen, was auch immer, aber keinen Bierstand. Ich öffne die Tür etwas weiter und sehe mich um. Es ist schwierig, genaueres zu erkennen, da der gelbe Nebel hier überall ist. Da ich keine Gefahr ausmachen kann, wage ich mich aus meinem Domizil heraus. Zuerst steuere ich auf den Bierstand zu. Komischerweise sieht dieser fast genauso aus, wie der auf dem damaligen Fest. Er ist aber verwaist. Niemand vor oder hinter der Theke. Ich gehe weiter und dann schält sich eine Berg- und Talbahn durch den gelben Nebel. Vielmehr sieht es aus, wie die Karikatur einer solchen. Das Grundprinzip ist geblieben, aber die ganze Konstruktion sieht bedrohlich und unangenehm aus. Es ist alles in schwarz gehalten. Keine andere Farbe ist auszumachen. Und ein Gefühl sagt mir, dass diese Bahn gefährlich ist. Nicht das Modell, das man von Jahrmärkten her kennt und Spaß darauf hat. Nein. Dieses Konstrukt sprüht geradeso vor Aggressivität. Das mag natürlich auch an meiner Stimmung, der Umgebung und meiner immer noch andauernden Verwirrung liegen, aber die Bahn macht mir Angst.

Da auch hier niemand zu sein scheint, “spaziere” ich weiter.

Das nächste, was durch den Nebel sichtbar wird, ist ein Riesenrad. Auch dieses ist komplett schwarz. Und auch von diesem geht dieses unheimliche Gefühl aus. Alles in mir schreit: “Steig ja nicht ein”!

Wenn ich mich nicht täusche, ist dieses Riesenrad auch um einiges höher, als seine Genossen auf der Kirchweih und ähnlichem. Es kommt mir wirklich hoch vor. Und wirklich gefährlich.

Ich bekomme eine Gänsehaut. Warum bin ich auf diesem… Jahrmarkt gelandet? Wo sind die anderen? Was soll ich hier? Wo genau befinde ich mich? Noch in Deutschland? Diese Fragen kreisen in meinem Kopf, während ich weitergehe.

Die nächste “Attraktion”, die ich erkenne, ist ein Free Fall Tower. Auch dieser ist komplett schwarz und seine Ausstrahlung steht der, der anderen Gerätschaften in nichts nach. Nichts und niemand würde mich dazu veranlassen, dieses Teil zu benutzen. Auch er ist unglaublich hoch. Mir schaudert es schon bei dem Gedanken, dort einzusteigen.

Ich bin bis jetzt im Kreis gelaufen, im Uhrzeigersinn, wenn ich mich recht erinnere. Vielleicht kann ich erkennen, wo ich bin, wenn ich mich hinter den Gerätschaften umsehe. Als ich zurück gehe erkenne ich, dass hinter den Attraktionen eine Mauer verläuft. Sie ist ähnlich hoch, wie die Wände in dem Raum, welchen ich anfangs besetzte und sehr glatt. Hier kann ich nicht eben mal darüber klettern. Da hat selbst ein Profi arge Probleme.

Also erkunde ich den … Jahrmarkt… weiter.

Neben dem Free Fall Tower steht ein Karussell. Ein klassisches mit Pferden… halt, das sind keine Pferde. Sie haben zwar die Körper von Pferden, aber die Köpfe sind grässliche Masken. Wie schmerzverzerrte menschliche Gesichter. Auf jedem Pferdekörper sitzt solch ein Menschenkopf. Alle schauen unterschiedlich aus, aber alle sind erfüllt von Schmerz und Angst. Ich muß mich kurz abwenden, da der Anblick einfach abscheulich ist. Als ich mich wieder beruhigt habe, nehme ich das Gefährt näher in Augenschein. Alles ist schwarz gehalten, wie bei den anderen auch. Die Pferdekörper sehen normal aus, wenn man das in diesem Kontext so ausdrücken kann. Die Köpfe sind von Frauen, Männern und Kindern allen alters. Teilweise fehlen Ohren, Augen, Nasen oder gar der halbe Kopf. Die Gesichter sind sehr detailreich gearbeitet und lassen die Qualen erkennen, die die Skulpturen wohl durchleben mussten. Jede einzelne sieht aus, als hätte man sie zu Tode gefoltert und ihnen unsagbare Angst gemacht. Ich gehe einmal um das Karussell herum und erkenne den Kopf von Ralf. Mein Herz setzt kurz aus, ich habe Schwierigkeiten zu atmen und mein Kopf droht zu explodieren. Wie kommt sein Kopf dahin? Ich bete zu Gott, dass dies nur ein makaberer Scherz ist und nichts mit Ralf zu tun hat. Mein Puls ist in bedrohlicher Höhe und ich bekomme noch mehr Angst, als ich vorher schon hatte. Diese Situation ist einfach zu bizarr.

Ich verstehe diesen Ort nicht, von dem es scheinbar kein entrinnen gibt, denn auch hinter dem Free Fall Tower und dem Karussell zeichnen sich die Mauern ab. Ich weiß nicht, wie ich hierher kam und was ich hier soll. Mir geht das Gesicht von Ralf nicht mehr aus dem Kopf und ich widme mich diesem wieder. Es sind exakt seine Züge. Bei näherem Betrachten erkenne ich, dass sein linkes Auge fehlt. Es ist einfach Weg und lässt nur eine schwarze Höhle zurück. Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Ich bin überfordert und merke, dass ich beginne zu hyperventilieren.

“Möchten Sie ein Bier auf den Schreck, oder darf es gleich ein Schnaps sein”?, ruft eine Stimme aus Richtung Bierstand plötzlich.

 

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