Rezi: Testlesen (Sonja Rüther)

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Hallo Leute,

heute geht es mal nicht um ein Werk aus der Belletristik, sondern vielmehr um ein… Fachbuch, würde ich sagen. Die Autorin ist die von mir sehr geschätzte Sonja Rüther aka Sanne Averbeck. Ich mag ihre Bücher (hier meine Rezi zu „Die Gästeliste“ von Sanne Averbeck) sehr und schätze sie auch als Mensch. Ich finde es interessant, dass sie in diversen Themenbereichen zu Hause ist. Sie schreibt Ratgeber, Romane und gibt auch Kurse im Schreiben (mehr hier). Außerdem ist sie eine ausgezeichnete (Zombie)-Zeichnerin.

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Das mir vorliegende Werk (danke nochmal für das Belegexemplar, liebe Sonja) ist ein Ratgeber für Autoren und Testleser. Das Thema ist (wie der Titel schon verrät) Testlesen. Da die Besucher dieses Blogs keine Autoren sind, sollte ich vielleicht kurz erklären, was ein Testleser ist. Diese lieben Leute bringen (uns) Autoren weiter und helfen uns. Sie bekommen eine (meist frühe) Fassung eines Textes geschickt und lesen diesen. Danach teilen sie dem Autor ihre Meinung mit. Wir reden hier dann nicht von Kommafehlern oder ähnlichem, sondern vom Inhalt. Passt die Story?, wie sind die Charaktere,? ist das Setting gut?… All diese Dinge gehören zur Arbeit des Testlesers. Dieser wiederum bekommt eine ganz besondere Sache als Gegenleistung: er darf das Werk als Erster lesen und sogar seinen Senf dazugeben. Dies ist für viele Testleser ein großes Geschenk, da es wirklich etwas Außergewöhnliches ist.

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Sonja hat alles sehr schön rübergebracht. Stück für Stück geht sie auf wirklich alles ein. Wir erfahren einiges über die Typen von Testlesern, als auch die Typen von Autoren. Sie beschreibt anschaulich, welche Typen zusammen passen und welche nicht. Sie gibt Tipps und Tricks für beide Seiten und lockert alles immer wieder durch (selbstgezeichnete) Bilder auf. Für mich als Autor ist dieses Buch sehr hilfreich. Man denkt immer, man hätte alles im Griff und bräuchte keine sonstige Hilfe. Dieses Buch öffnet jedoch Türen, von denen man gar nicht weiß, dass es sie gibt. Man bekommt Informationen auf höchstem Niveau, da Sonja sowohl Autorin, als auch Testleserin ist. Abgerundet wird das Werk durch Checklisten und Arbeitshilfen, die man wirklich gut gebrauchen kann.

Mein Fazit: Für Autoren (welche Testleser nutzen) und Testleser ist dieses Büchlein sehr hilfreich. Natürlich kennt man schon den ein oder anderen Kniff, aber die hier beschriebene „Anleitung“ fürs Testlesen, bringt Ordnung und Struktur in die Zusammenarbeit von Autor und Testleser. Außerdem beugen die Hilfestellungen direkt Dingen vor, die sonst nicht so gut laufen würden.

P.S.: Sonja ist eine sehr gute Zeichnerin, aber ihr Selbstportrait kann nicht mit der hübschen Dame mithalten, die sie wirklich ist 🙂

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Stay tuned

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#gelb2

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Hallo liebe Freunde der schlechten Unterhaltung:)

aufgrund Zeitmangels gibt es heute keine Kolumne. Aber nicht traurig sein, denn dafür gibt es das zweite Kapitel von Gelb. Wer das erste Kapitel noch nicht gelesen hat, kann dies hier nachholen.

Der Text wurde bisher noch nicht lektoriert und korrigiert. Also nicht wundern, wenn sich der ein oder andere Fehler eingeschlichen hat 🙂

Und nun: Viel Spaß und stay tuned!!

KAPITEL 2: VORGLÜHEN

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

Frisch geduscht finden wir uns alle in Achims Wohnzimmer zusammen. Achim lebt mit seiner (ziemlich heißen) Mutter alleine in diesem Haus. Ihnen geht es nicht schlecht und so hat Achim alles, was er braucht. Seien es die neuesten technischen Errungenschaften oder einfach “nur” Geld. Ihm fehlt es an nichts. Daher macht es auch immer viel Spaß, bei ihm zu sein. Man ist von vielen Spielereien umgeben und hat ein Gefühl von Freiheit (das hört sich jetzt sehr nach “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” an, aber es ist halt so).

Freiheit hin, Freiheit her, heute wollen wir saufen. Da es erst 18 Uhr ist, also definitiv zu früh um (als coole Jungs) schon auf dem Fest aufzutauchen, entscheiden wir uns für ein Trinkspiel. Der beste Zeitvertreib an sich. Das Spiel nennt sich “Zehnersaufen”. Gespielt wird dies mit einem 64er Blatt. Jeder, der ein Bild zieht (jedes Bild zählt automatisch zehn) – säuft. Jeder, dessen Zahlen auf den Karten in Summe zehn ergeben -säuft. Das Spiel trägt ungemein zur gediegenen Atmosphäre bei und macht auch noch betrunken. Gesoffen wird entweder Schnaps (Summe zehn) oder Bier auf ex (Bild zehn). Besonderheit sind die Asse und Joker. Bei diesen darf man bestimmen, wer was säuft. Ein Traum von einem Spiel. Das Spiel läuft munter und man säuft munter. Nachdem das Gespräch einige Zeit lang an Ralf und Jane hängengeblieben ist, mit den üblichen unfruchtbaren Versuchen, ihn von ihr loszueisen, wechselt Julius schlagartig auf meinen Bruder als Thema. “Mein lieber Aal, wie schaut es eigentlich mit dir und der holden Weiblichkeit aus?” fragt er. “Du bist doch mittlerweile schon voll in dem Alter, in dem man Interesse an Titten und Weibern hat” schließt er lachend. Zwischenzeitlich hat Achim eine Dame gezogen und darf sich ein Bier genehmigen. “Genau Aal” stimmt er danach rülpsend ein “erzähl uns mal davon”. Mein Bruder grinst mich diabolisch an und meint, dass irgendwer in der Familie ja die Stiche machen muss, wenn wir beim Thema Karten spielen bleiben wollen. Alle lachen. Auch ich, denn ein guter Witz ist ein guter Witz. Das Spiel geht weiter und ich ziehe einen Joker. Damit revanchiere ich mich bei meinem Bruder, der dafür einen Schnaps trinken darf.

“Hat eigentlich jemand von Euch Super Metroid unter 2 Stunden durchgespielt” werfe ich in die Runde “umso schneller es unter 2 Stunden geht, umso mehr zieht Samus an Kleidung aus”. “Ich dachte das wäre ein Kerl”, meint Ralf “und außerdem, wie kommt man darauf, so etwas zu versuchen?”. “Easter eggs” sage ich zu ihm “Easter eggs, mein  Freund”. “Ja, irgendeine Art von Eiern muss man ja haben”, meint Achim nach einem Schnaps. Wieder einmal sind alle herzlich am Lachen und ich beschließe, meine Wortwahl sorgfältiger zu treffen.

“Ist deine Mutter eigentlich zu Hause” frage ich Achim und grinse wollüstig in die Runde. “Halt dein Maul, Arschloch” kommt die kurze Antwort, die vom Gelächter aller untermalt wird. “Ich meine ja nur” stichle ich weiter. “Wenn ich kein Bock mehr auf Karten spielen habe, dann wüsste ich was ich sonst tun würde. Wenn sie da ist”. “Du sollst die Schnauze halten”, kommt die Antwort nun definitiv wütend und das Lachen verstummt. Da ich Achim kenne und damit auch die Grenzen der Spässchen, bin ich ruhig. So spielen wir weiter und reden über dies und das. Die Themen beziehen sich hauptsächlich auf Filme und Computerspiele, werden aber mit zunehmendem Alkoholgenuss auch forsch in die weibliche Richtung getrieben. Achim, der schon sehr gut dabei ist, prahlt damit, dass er gerne die Bude für sich alleine hätte, wenn er später mit mindestens zwei Mädels wieder käme. Ralf äußert sich sorgenvoll darüber, dass Jane etwas mitbekommen könnte, wenn wir mit Mädels zu tun haben, worauf mein Bruder laut lachen muss. “Alter” meint er zu Ralf, “was ist dein Problem?” Nur weil wir mit denen reden, machen wir ihnen noch keine Kinder oder so. Chill mal.” Julius und ich grinsen uns während dem Geprahle und den Disputen nur an. META: Nein, wir sind nicht schwul. Wir verstehen uns nur fast blind und wissen, wie die anderen ticken.

Und so wird weiter geredet und weiter getrunken, bis Achim schließlich einschläft. “Oh nein”, meint Julius “nicht schon wieder”. “Du weißt doch, wie er ist”, sage ich. “Wir lassen ihn ausschlafen. Danach ist er wieder fit und wach und er weiß ja, wo er uns findet”. “Ja, er hat noch lange nicht so viel getrunken, dass er einen Blackout hat” stimmt Ralf mir zu.

Gesagt getan. Wir decken Achim zu, malen ihm mit Edding männliche Genitalien ins Gesicht und machen uns auf den Weg zum Fest.

Zur Sicherheit schaue ich noch, ob seine Mutter da ist, damit wir ihr kurz Bescheid geben können. Außerdem kann ich sie dann angaffen. Leider ist sie nicht da, was auch die leere Garage stumm bestätigt. So geht es also weiter auf das Fest.

 

 

Rezension Aetherhertz (Autorin Anja Bagus)

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Hallo Leute,

mit der heutigen Rezension begeben wir uns in die stimmige Welt des Steampunks. Wir befinden uns im schönen Baden-Baden und schreiben das Jahr 1910. Aether steigt aus den Gewässern auf und verändert die Menschen. Diese Veränderten werden ab nun Verdorbene genannt und von der Gesellschaft gemieden. Doofer Äther, möchte man nun denken. Jedoch dient diese neue Substanz auch bestens als Treibstoff für alle möglichen Gerätschaften und Vehikel, und als Waffe macht er sich auch nützlich.

In dieser veränderten Vergangenheit lebt unsere Protagonisten Annabelle Rosenherz. Das junge, intelligente und hübsche Fräulein hat es nicht leicht, denn ihr geliebter Vater ist verschwunden und soll für tot erklärt werden. Es gibt nun einiges an Hick Hack über das beträchtliche Erbe. Außerdem hat die Arme auch einen Makel, sie ist eine Verdorbene. Dazu im Buch aber mehr.

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Signiert ist es auch 🙂

Im Zuge der Erbangelegenheiten, lernt sie die Familie Falkenberg kennen. Die Söhne Paul und Friedrich, sowie deren Vater Peter.

Friedrich ist ein Blitzmann, er bekämpft Verdorbene (wenn nötig) und schützt so die Allgemeinheit. Er ist ein Draufgänger mit Herz und hat, durch ein Mißverständnis, eine Verabredung mit Fräulein Rosenherz, die jedoch in der „Friendzone“ endet.

Paul hingegen tut es dem Fräulein schon mehr an. Er ist eine Leseratte, ein Denker und auch ein Erfinder, der wundervolle mechanische kleine Lebewesen – mit Aether – zum Erwachen bringt. Er ist auf Annabelles „Wellenlänge“ und die beiden werden sich noch nahe kommen.

Annabelle kommt einer Mordserie auf die Spur, die mit Pralinen, Ganoven und verrückten machtgierigen Personen zu tun hat und das ganze Land bedrohen könnte. Zusammen mit Paul, Friedrich und weiteren Personen, macht sie sich daran, den Fall aufzuklären. Dabei wird es teilweise sehr gefährlich für unsere Helden und Spannung ist  garantiert.

Anja Bagus ist eine sehr nette und sympathische Autorin. Genau aus diesem Grund wollte ich einmal ein Buch von ihr lesen. Wir hatten auf der FaRK eine gemeinsame Lesung, welche sehr lustig war und seitdem spukte es in meinem Kopf herum, ein Exemplar von Aetherhetz meines zu nennen und zu rezensieren.

Ich bin sehr schnell in diese tolle und atmosphärische Welt eingedrungen. Man spürt, dass Anja ein absoluter Steampunk Fan ist, da die Geschichte wirklich stimmig und auch romantisch ist. Romantik ist normalerweise nicht so ganz mein Ding, gehört aber in meinen Augen zu Steampunk dazu. Anja hat es sehr schön in Szene gesetzt. Man fühlt sich schnell wohl und ist dann mittendrin.

Neben dem schönen Baden-Baden, lernen wir auch den finsteren Schwarzwald kennen, der unseren Helden einiges abverlangen wird. Auch hier haben wir eine tolle Stimmung und eine zum Greifen dichte Atmosphäre des Unbehagens. Toll geschrieben!

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Ich finde Anjas Schreibweise sehr klar, deutlich und verständlich. Es gefiel mir sehr gut, mich von ihr durch die Geschichte leiten zu lassen und diese tolle Welt erleben zu dürfen. Der Roman ist eine Mischung aus Steampunk (was sonst), Romantik, Krimi und Thriller. Eine Mischung, die mir sehr zusagt.

Manche Szenen sind wirklich überwältigend geschrieben. Da kam ich mir teilweise vor, wie im Kino. Solche Szenen sollte man viel öfter lesen dürfen, denn sie machen ein Buch aus.

Kleinere Abzüge bringen die Perspektivenwechsel in den Kapiteln, die Anja gerne mal vollzieht und die Tatsache, dass manche Nebencharaktere sehr stereotypisch sind. Diese marginalen „Kratzer“ machen dem Buch jedoch nichts aus.

Mein Fazit: Wer in eine tolle und stimmige Welt eintauchen möchte, ist hier richtig. Wer gerne Krimis liest und sich ein bisschen für Liebe und Romantik erwärmen kann, ist hier richtig. Wer auf gute deutsche Autoren steht, ist hier richtig. Wer einfach nur gerne liest und eine tolle Zeit haben möchte, ist hier richtig. Außerdem erlebt der Leser die Entstehung des Amtes für Aetherangelegenheiten!!!

 

Stay tuned

 

Klingonen und Einhörner

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Hallo Leute,

wir alle kennen folgendes Problem: Man möchte sich ein Einhorn leisten, schließlich hat man es sich verdient. Nun kommt man in den regionalen Einhorn Stallungen an und muss feststellen, dass der Verkäufer ein Klingone ist. Dies ist im ersten Schritt sehr erfreulich, denn jeder mag Klingonen. Der weitere Verlauf des Gespräches wird jedoch, an der Sprache, scheitern. Um aus dieser misslichen Lage heraus zu kommen, empfehle ich das Buch Klingonisch für Einsteiger von Lieven L. Litaer. Herausgeber ist der Heel Verlag. Mein nettes kleines Rezensionsexemplar bekam ich von Lieven und danke ihm recht herzlich dafür.

Was bringt uns dieses Buch? Es bringt uns viel Spaß, eine nerdige Zeit und vor allem bringt es uns der am schnellsten wachsenden Sprache des Universums näher, nämlich Klingonisch. Ich spare mir an dieser Stelle Anekdoten über Star Trek und sonstige Geschichten, da jeder diese kennt. Ich komme direkt zum Buch, welcher mir sehr zugesagt hat.

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Quelle: Heel Verlag

Dieses Buch ist ein Werkzeugkasten für die klingonische Sprache. Als erstes erfahren wir (was mir sehr geholfen hat), wie man die klingonischen Wörter überhaupt ausspricht. Ich meine, mit einem miesen Dialekt kommt man da nicht weit. Man wird nicht ernst genommen. Und ernst nehmen, sowie Respekt, bedeutet den Klingonen sehr viel. Jetzt habe ich doch eine Anekdote reingekloppt:) Egal.

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Anschaulich wird alles erklärt. Quelle: Klingonisch.net

Nachdem der Lernwillige sich die Aussprache eingeprägt hat, (natürlich wird man diese Seite immer wieder aufschlagen. Am besten markieren, denn sie ist die Basis) geht es, anhand einer netten kleinen Geschichte, Kapitel um Kapitel weiter in die klingonische Sprachwelt. Wir bekommen sprachliche Hilfe für die Ankunft auf dem klingonischen Heimatplaneten Kronos und begleiten einen jungen menschlichen Lieutenant bei seiner Erkundung dieses Planeten. Von „check in“, über Essen bestellen, Kneipentour, Flirten, Fluchen bis zum Abschied. Hier bekommen wir alles an die Hand, was wir für unseren Urlaub bei den liebenswerten Klingonen benötigen. Jedes Kapitel gibt uns diverse Wörter, bzw. Sätze an die Hand, die es zu erlernen gilt. Für jede Situation haben wir also passende Antworten, welche es zu üben gilt. Dies ist anfangs gar nicht so einfach, wird jedoch, mit der Zeit, immer leichter. Unterstützt wird das Ganze durch eine Audio CD. Eine klasse Idee, denn so wird uns die Aussprache nochmal näher gebracht und man kann auch während dem Autofahren klingonisch lernen.

Vervollständigt wird das Buch mit Informationen über Grammatik, der Entstehungsgeschichte der klingonischen Sprache, einem klingonischen Kreuzworträtsel (sehr geile Idee), einem Wörterbuch und vielem mehr. Man merkt schnell, dass dieses Buch mit Herzblut geschrieben ist und man sich in die Hände von jemandem begibt, der weiß was er tut. Jedoch ist und bleibt es ein Übungsbuch. Durch einmal lesen wird man die Sprache nicht erlernen, man muss dran bleiben. Wer sich noch näher mit dieser interessanten Sprache beschäftigen möchte, kann einen von Lievens Kursen besuchen. Der Mann hat 20 Jahre Erfahrung mit der Sprache und bringt Euch diese auf charmante Art und Weise näher. Außerdem empfehle ich zusätzlich STAR TREK® – Das offizielle Wörterbuch: Klingonisch – Deutsch / Deutsch – Klingonisch. Damit gerüstet, kann dem Erlernen der Sprache nichts mehr im Wege stehen.

Fazit: Ich persönlich tue mich schwer mit Sprachen, bin jedoch durch und durch Nerd. Ich hatte das Buch schon länger im Auge und der nette Lieven hat es mir dann, zum Rezensieren, zur Verfügung gestellt. Es macht einfach tierisch Spaß, spielerisch die Sprache zu lernen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber den ein oder anderen Kumpel mit klingonischen Flüchen zu beleidigen, geht doch relativ bald sehr leicht von der Zunge. In meinen Augen sollte dieses Buch bei jedem Trekkie, Nerd und SciFi-Fan im Regal stehen. Greift zu Leute! Und besucht die Kurse. An dieser Stelle erwartet vermutlich jeder, dass ich etwas klingonisches schreibe. Dies tue ich aber nicht. Vielmehr verrate ich, dass es das Wort Einhorn im Klingonischen gar nicht gibt:)

Stay tuned

…Sorry

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Hallo Leute,

leider kam ich diese Woche nicht dazu, eine Kolumne zu schreiben. Bitte nicht böse sein, aber die Vorbereitungen zu meinen Lesungen auf der FaRK und diverse Rezensionen, die ich am Schreiben bin (wird es bald hier geben) haben dies nicht möglich gemacht.

Als Ausgleich gibt es eine Leseprobe von GELB, meiner aktuellen Novelle. Diese ist noch nicht erschienen und noch nicht fertig. Also auch noch nicht lektoriert, … ich bitte, dies zu verzeihen. Los geht es also. Viel Spaß und… STAY TUNED.

Ach so: Alle Namen in dieser Geschichte, sowie die Charaktere, sind natürlich frei erfunden:)

Gelb

 

KAPITEL 1: EIN SCHÖNER TAG

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

Es ist ein schöner Tag, der den Übergang vom Frühling zum Sommer einläutet. Die Luft ist frisch und voller Energie. Die Pflanzen blühen schon seit einiger Zeit. Auch die Vögel und allerlei Insekten zeigen Präsenz. Es ist eine Zeit zum wohlfühlen. Man kann die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen. Ein T-Shirt und sogar eine kurze Hose reichen vollkommen aus, um sich dem Tag zu stellen. Und dieser Tag ist toll. Voller Vorfreude und Spaß.

Es ist ein Samstag. So ziemlich der beste Tag in der Woche. Noch besser ist dieser, wenn man am Abend etwas besonderes vor hat. Und so ist es für mich. An dieser Stelle sei ein wenig von mir verraten (META: spiele ich doch so ziemlich die Hauptrolle in dem, was gerade Ihre Augen beschäftigt und im besten Falle positive Reize in Ihrem Hirn hinterlässt).

Ich bin 19 Jahre alt, männlich und höre auf den Namen Sascha. Ja ich weiß, dass es ein Lied der Toten Hosen über diesen Namen gibt. Glauben Sie mir, dass habe ich schon oft gehört. Und ich weiß auch, dass der Name in manchen Ländern auch für Frauen und / oder Hunde genutzt wird. Aber leider kann ich den Namen nicht ändern. Das heißt, ich könnte es bestimmt irgendwie, aber ich spare mir meine Kraft lieber für andere Dinge auf. Ich habe eine Lehre als Reiseverkehrskaufmann (hier sparen wir uns jetzt auch die Witze) absolviert und arbeite im schönen Heusweiler, welches ca. 15 Autominuten von Reisach liegt. Und in Reisbach wohne ich. Genau genommen wohne ich noch bei meinen Eltern, habe jedoch in diesem elterlichen Wohnhaus eine Etage für mich. Nun fast. Mein Bruder, 15 Jahre alt und noch Schüler, hat auch ein Zimmer auf dieser Etage.

Es ist neun Uhr morgens und da ich gestern etwas über die Strenge geschlagen habe, ruhe ich mich noch aus. Ich liege im Bett, eingekuschelt in meine warme Decke und schaue Akte-X. Dabei genieße ich meinen Kaffee, der wohlig riecht und rauche eine Zigarette, deren blauer Duft sich in Richtung Zimmerdecke kräuselt. Die Folge plätschert vor sich hin (irgendwas mit Tunguska habe ich im Hinterkopf) aber ich bin nicht ganz bei der Sache. Ich überlege mir schon, wie es heute Abend wohl wird. Wir haben den 30. April und heute Abend ist “Hexennacht”. Wobei ich mich hier nicht auf das Gruseln freue, dass diese Walpurgisnacht für einige mit sich bringt, sondern viel mehr auf meine Freunde, Frauen und viel Alkohol. Ich beschließe, von Akte-X zu leichterer Kost zu schalten und stelle den Kanal für MTV ein. “Come as you are” raunt Kurt Cobain durch den Röhrenapparat in mein Ohr und er hat recht. Warum sollte ich mich verstellen und mir vormachen, dass ein Partysamstag mit Kaffee beginnen soll. Ich meine, ich liebe Kaffee. Aber es gibt auch besseres. Ich gehe also zum Kühlschrank und genehmige mir mein erstes Bier für heute. Da die Zeit des letzten Alkoholgenusses noch nicht allzu lange her ist, spüre ich bald wieder die wohlige Vertrautheit des leichten benebelt seins. Der Gerstensaft rinnt kühl und frisch meine Kehle hinunter. Herrlich. Ich genieße und rauche. Kurt wird abgelöst von Aqua, die mehr durch das Äußere der Sängerin (wenn man das so nennen kann) überzeugen, als durch musikalische Leistung. Ich entschließe mich daher, lieber den Vorspann von Silent Hill 2 zu starten. Der Titelbildschirm dieses genialen Spiels verändert sich nämlich nach jedem durchspielen. Da ich alle Varianten durch habe, genieße ich die High End Version mit viel Musik und Clips. Das schaue ich mir immer sehr gerne an. Jedoch ist mir nun auch nach ein wenig Gesellschaft. Ich ziehe mir eine Jogginghose und ein T-Shirt über und gehe den Flur entlang, zum Zimmer meines Bruders. Der Dielenboden knarrt, was wahrscheinlich mein baldiges Erscheinen dem geübten Hörer ankündigen wird. Ich klopfe an und will direkt hinein gehen, aber die Tür ist abgesperrt. Zack, Zeh gestoßen. Ich fluche leise.  Drinnen vernehme ich Geräusche und gehe so davon aus, dass die kleine Ratte schon wach ist. “Ey Arschlosch”, rufe ich “hör auf an Dir rumzuspielen und mach die Tür auf.” Natürlich passiert im ersten Moment nichts, er will mich ärgern. So greife ich zu Plan B und gehe die Treppe herunter zum Stromkasten. Hier kümmere ich mich darum, dass die Sicherung für sein Zimmer Probleme bekommt. Direkt höre ich ein wütendes Geräusch von oben und schon steht der kleine neben mir. “Was ist denn” kommt die mürrische Frage. “Ich dachte, wir hängen ein wenig ab, trinken ein paar Bier und freuen uns auf heute Abend”, teile ich ihm grinsend mit. Seine Augen leuchten, da ich ihm gestern Abend noch versichert habe, eher würde ich mich von einem betrunkenen Wiesel begatten lassen, als ihn heute Abend mitzunehmen. Begeistert rennt er nach oben. “Ich habe noch Zigaretten” höre ich ihn rufen, während ich ihm zu meinem Zimmer folge. Dort angekommen, mache ich uns jeweils ein Bier auf und er zündet zwei Zigaretten an. “Silent Hill, äh” meint er mit einem verächtlichen Blick auf den Fernseher. Für ihn gibt es nur Resident Evil und sonst nichts in der Hinsicht. Mir gefällt halt beides. Jedem das seine. “Wer kommt denn heute Abend alles mit” fragt er mich. “Achim, Julius und Ralf”, meine Antwort. Dies sind meine drei besten und ältesten Freunde, mit denen ich schon viel erlebt habe und noch mehr erleben will. Wir verstehen uns prima. Haben denselben Humor (gut) und denselben Frauengeschmack (schlecht). Wir trinken gerne zusammen und reden über alles, was uns Nerds so gefällt. Seien es nun die neuesten Comics, die aktuellen Filme, Computerspiele oder scharfe Chicks. Wir tauschen uns über alles aus. Aktuelles Hauptthema ist jedoch die Freundin von Ralf. Er hat diese nun schon eine Zeit lang und entfernt sich immer mehr von uns. Dies sorgt auf der einen Seite für Gesprächsstoff der nicht so positiven Art (schließlich gehört sein Arsch uns) auf der andere Seite freut es uns aber auch, dass er an diesem Abend nur mit uns abhängt und Frauen draußen bleiben  (außer natürlich dem “Freiwild”, das den Fehler begeht vor Ort zu sein). Achim wechselt seine Freundinnen, wie andere Leute ihre Socken und hat es nicht so mit dem treu sein. Julius und ich sind im Moment solo. Das soll sich natürlich heute Abend ändern. Und wenn es nur für heute Abend ist. Mein Bruder redet wenig mit mir über solche Dinge. Manchmal habe ich den Verdacht, dass er mehr auf seine Kumpels steht, als auf das schwache Geschlecht. Jedem das seine. Aber als guter Bruder reibe ich ihm meine Meinung – zu seinem Mißfallen – natürlich bei jeder Gelegenheit unter die Nase.

“Cool” meint er. “Ich mag die drei Pisser. Auch wenn man Ralf leider nicht mehr so oft sieht.” “Ja” stimme ich ihm zu. “Daher freue ich mich auch, dass er heute Abend am Start sein wird”. “Und wo gehen wir hin?” fragt er mich. “Tanz in den Mai” ist meine klare Antwort. Wo sollten wir auch sonst hingehen? Wir leben in einem Dorf. Busse in die Stadt sind sehr selten. Taxis sind sehr teuer und der Führerschein ist uns zu lieb, um betrunken zu fahren. Eine zeitlang spielten wir mal “Farbe bekennen”. “Farbe bekennen” ging folgendermaßen: wir fuhren in die Diskothek. Jeder trank, was das Zeug hielt. Derjenige, dessen Urin am Ende die dunkelste Farbe hatte, musste heim fahren. Schließlich war dieser ja fast noch nüchtern. Nach einem beinahe Unfall (trotz der Reaktionsfähigkeit eines so gut wie nüchternen Fahrers) entschieden wir uns, dann doch lieber für eine Taxifahrt zu sparen und in der Zwischenzeit daheim einen drauf zu machen. So gab es dann einmal im Monat eine Fahrt nach Saarlouis, der nächsten Stadt bei uns. Die anderen Abende verbrachten wir abwechselnd bei Achim, Julius, Ralf und mir. Die wenigen Feste in unserem Ort waren also immer Höhepunkte, auf die wir uns sehr freuten. So wie heute Abend.

“Tanz in den Mai” wiederholt mein Bruder. “Coool. Schön einen saufen und was klarmachen”. “Kommen Deine Kumpels auch, oder wen willst Du klarmachen” sage ich und heimse mir damit einen bösen Blick ein. In diesem Moment klingelt es an der Tür. Ich renne die Treppe hinunter und sehe die Silhouetten von Achim und Julius draußen stehen. Ich öffne die Tür, sage “zu scheiße” (in Anlehnung an den Film Fight Club. Kennt Ihr die Szenen, in denen die Anwärter für Projekt Chaos ins Haus wollen? Genau der Scheiß) und schlage die Tür wieder zu. Nach einem Moment der Genugtuung öffne ich die Tür wieder und starre in die genervten Gesichter meiner Kumpels. “Witzig”, meint Achim “also beim ersten Mal. Du weißt, dass es beim gefühlt hundertsten Mal nicht mehr so witzig ist?”. Ich grinse und mache die Tür weiter auf. “Hi Leute, kommt rein” höre ich mich sagen und die zwei Helden machen sich auf in den Weg in mein Reich.

“Der Aal” höre ich Julius rufen, der anscheinend meinen Bruder entdeckt hat. Den Spitznamen “Aal” hat dieser sich eingefangen, weil er beim Fußball immer unaufhaltsam dribbelt, quasi aalglatt, wie wir auch dazu sagen. Auch Achim sieht meinen Bruder und die drei begrüßen sich. “Wo ist Ralf” frage ich und bekomme die erwartete Antwort. “Bei seiner Alten natürlich” meint Achim. “Wenn er heute Abend Freigang will, muss er auch etwas dafür tun”, ergänzt Julius“, daher werden wir ihn wahrscheinlich demnächst noch weniger sehen”. “Aber heute Abend ist er uns” sage ich und freue mich noch mehr auf diesen Abend mit meinen Kumpels und meinem Bruder.

“Ich habe eine Idee”, meint Achim belustigt. “Wenn er uns die nächste Zeit sowieso verwehrt wird, dann reissen wir Ralf gleich jetzt aus den Klauen der Irren. Dann haben wir ihn für den Tag und die Nacht”. “Cool”, meine ich. “Dann kommen wir vielleicht noch rechtzeitig zum Fußball”. Fußball ist an dieser Stelle vielleicht etwas überbewertet. Jeden Samstag am frühen Nachmittag trifft sich die Dorfjugend auf dem örtlichen Bolzplatz, zum “Fußball”. Wobei das was geboten wird, eher einem “Idiotenflipper” gleicht, da die meisten Leute nicht spielen können und nur wild um sich schießen. Dies führt dazu, dass der Ball wild über den Platz gehetzt wird und an den einzelnen Personen abprallt oder weitergeschossen wird, wie eine Flipperkugel von einem Bumper im Flipper. Trotzdem macht es uns richtig Spaß, was nicht zuletzt am ordentlichen Bierverbrauch, während des Spielens liegt.

Also machen wir uns auf den Weg, um Ralf aus “den Klauen der Irren zu reissen“, wie Achim es treffend formuliert hat. Der Weg zu Ralf dauert schon ein Stück und so beschließen wir, Achims Auto zu nehmen. Fünf Minuten später stehen wir vor der Tür von Ralfs Eltern und ich betätige die Klingel. Kurz darauf macht Ralf auf und schaut uns entgeistert an. “Hey Leute” stammelt er verlegen “ich dachte es geht erst heute Abend los. Jane und ich schauen gerade gemütlich einen Film.” “Ich kann mir schon denken was für einen”, sagt Achim und nickt in Richtung der Beule, die sich in Ralfs Jogginghose abzeichnet. Dieser wird rot im Gesicht. “Komm schon Alter”, meint Julius. “Dass du heute mit uns raus darfst”, bei dem Wort darfst zuckt Ralf kurz zusammen, “bedeutet doch, dass wir uns demnächst nicht mehr so oft sehen. Also dachten wir uns, dass…” “RAAAAAALFF” schrillt in diesem Moment eine Frauenstimme von oben “wo bleibst Du denn”.

“Ich weiß nicht so recht Jungs”, meint dieser. “Ich habe Jane schließlich versprochen, dass ich den Film mit ihr schaue und wir uns einen schönen Nachmittag machen.” “Ich kümmere mich darum”, sage ich. Und ehe Ralf widersprechen kann, mache ich mich auf den Weg zu Jane. Da Jane und ich nicht gerade die besten Freunde unter Gottes schönem Himmel sind, will ich die Sache schnell hinter mich bringen. Ich gehe zu ihr und sage gerade heraus, was ich denke. “Jane”, beginne ich “du und Ralf verbringt sehr viel Zeit miteinander. Das ist auch gut so, denn schließlich soll Ralf auch üben damit er gut ist, wenn er  mal eine richtige Freundin bekommt”. Ich ernte einen wütenden Blick. “Was ich damit sagen will”, fahre ich fort “ist, dass wir ihn heute gerne ganz für uns hätten. Du hängst Tag und Nacht mit ihm ab. Wir sagen ja auch nichts dagegen. Aber manchmal wollen wir ihn mal ganz für uns haben”. Damit sage ich (in meinen Augen sehr nett) genau das, was alle Freunde mal den festen Freundinnen ihrer Freunde sagen sollten. Zumindest dann, wenn die Situation so ist, wie bei Ralf.

Achims Freundinnen sind wahrscheinlich froh, wenn er mal länger als bis zum Frühstück bleibt, denke ich mir innerlich grinsend. Jane scheint keine Lust auf Ärger zu haben, denn sie schaut mich nur an und sagt “OK”. Kampf gewonnen! Ich eile wieder herunter zu meinen Leuten und verkünde die frohe Nachricht. Alle sind happy, außer Ralf. Er weiß wahrscheinlich schon jetzt, dass das ein Nachspiel für ihn haben wird. Und hier reden wir nicht von dem Nachspiel beim Sex.

Glücklich ziehen wir von dannen in Richtung Bolzplatz. Da der Platz sehr nahe an Ralfs Elternhaus gelegen ist, muss Achim nicht mehr fahren und wir können uns ganz dem “Idiotenflipper mit Biersauce” widmen.  Der Tag verfliegt und schon bald beginnt die Dämmerung.

“Mann bin ich jetzt fertig” stöhnt Achim, der alles gegeben hat (in einem Arbeitszeugnis würde etwas von stets bemüht stehen). “Jo, geiles Spiel”, meint Julius “und der Aal hat seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht”. Wir lachen alle. “Gut” meine ich “dann jeder heim duschen, bei Achim vorglühen und dann ab zur Party”. Mein Bruder und ich beschließen, bei Achim zu duschen, da der Weg nach Hause doch etwas zu weit ist. Julius geht nach Hause, da es nahe gelegen ist. Ralf bittet Achim auch um Dusch-Exil, da er Jane nicht zu schnell wieder begegnen möchte. Das Exil wird ihm natürlich gewährt.

 

 

Geh (nicht) in den Winterwald

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Das Werk besticht durch stimmiges Design

Hallo Leute,

nachdem der Beef zwischen mir und U.J.M. (das U. steht für Abmahnung) nun geklärt ist, können wir uns wieder den schönen und sinnigen Dingen des Lebens widmen. Zum Beispiel, dem Rollenspiel, ein Hobby, dem ich schon seit längerem fröne. Es ist ein sehr schönes Hobby, aber auch zeit- und vor allem regelintensiv. Ich persönlich bin jemand, dem beim Rollenspiel die Story und die Atmosphäre lockt und weniger irgendwelche Kämpfe, die gefühlt tagelang dauern. Natürlich gehören diese dazu, aber für mich gilt: umso weniger würfeln, dafür umso mehr Handlung, Spaß, Grusel und Spannung.

Mit Grusel haben wir auch schon das Stichwort. Das mir vorliegende Werk: „Geh nicht in den Winterwald“, ist ein Rollenspiel, mit sehr leicht zu erlernenden Regeln. Um genau zu sein, sind die Regeln – mehr oder minder – Nebensache und man widmet sich nur der Story, die sehr atmosphärisch daherkommt.

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Eine coole Karte gehört immer dazu 

Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist der Winterwald und das nahe liegende Dorf. Um diesen Wald ranken sich Sagen, Mythen, Geschichten und vieles mehr. Aber alle führen zum gleichen Fazit: Geh nicht in den Winterwald. Was liegt einem also näher, als in den Winterwald zu gehen? Das Heftchen (endlich konnte ich mal ein Regelwerk in einem durchlesen) kommt im schicken A5 Format daher und beinhaltet knappe 70 Seiten. Die Kapital werden immer wieder, durch schicke Artworks, aufgelockert.

Geht nicht in den Winterwald wird uns präsentiert vom System Matters Verlag und basiert auf dem amerikanischen Original von Red Moon Medicine Show / Clint Krause

Wer nun vermutet, ein Instant Rollenspiel vor sich zu haben liegt damit nicht ganz richtig, denn ein bisschen Rollenspiel Erfahrung sollte man mitbringen, um sich ganz in diese Welt, voller Folklore, Mythen und Sagen, fallen lassen zu können.

Es geht um ein kleines Dorf in den ehemaligen britischen Kolonien in Amerika und spielt Ende des 18. Jahrhunderts. Empfohlen wird, was ich sehr cool finde, das Spiel am Lagerfeuer (oder ähnlich atmosphärischen und leicht kalten Orten)  zu spielen, damit es seinen vollen Charakter entfalten kann. Und zwar wird es in Form einer Lagerfeuergeschichte erzählt. Zwei bis beliebig viele Spieler nehmen daran teil. Einer der Personen spielt den Spielleiter. Dieser ist für die Erzählung der Story und die Nichtspielercharaktere zuständig. Die anderen Spieler schlüpfen in die Rolle von Dorfbewohnern.

Als Vorlage für die Geschichte werden uns vier Möglichkeiten gegeben. Diese können so übernommen werden, ebenso kann man auch eigene Szenarien entwerfen. Die Spieler suchen sich nun eine Figur aus und einen Grund, aus dem sie in den immer kalten Winterwald müssen oder möchten. Der Spielleiter kennt die Spielercharaktere und ändert gegebenenfalls das (vorgegebene) Szenario ab, damit es zu den Spielern passt oder umgekehrt. Nun beginnt die Geschichte. Der Spieler erzählt in der dritten Person und in der Vergangenheitsform. So wird der grob vorgegebene geschichtliche Rahmen erzählt und gespielt. Durch Erzählungen gerät die Story in Fahrt. Hier kommen die Regeln ins Spiel, die der Geschichte Spannung und Aufwind geben. Jeder Spieler erhält ,beim Betreten des Winterwaldes, einen Kälte Marker (symbolisiert durch einen Kieselstein oder ähnliches). Weitere Kälte Marker gibt es bei Verletzungen, Gefahren, Erschrecken,… Beim sechsten Kälte Marker ist die Geschichte für den Unglücklichen Spieler zu Ende und er wird „passend“ aus dem Verkehr gezogen.

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Was uns wohl im Winterwald erwartet?

In diversen Situationen (Angriff, Storywendung, Fund einer bestimmten Sache, plötzliche Geräusche,…) wird der Spieler aufgefordert, mit einem sechsseitigen Würfel zu würfeln. Die Situationen sollten jedoch eindeutig mit JA oder NEIN zu beantworten sein und hängen, mit der Anzahl der gesammelten Kälte Marker, zusammen. Ein Beispiel: Es entsteht eine Situation, in der der Spieler etwas hören könnte. Der Spieler beschreibt dies folgendermaßen: „Aldoin (Name seines Charakters) geht in den Wald und lauscht“. Der Spielleiter fragt: „Hört Aldoin etwas?“ und bittet den Spieler, zu würfeln. Würfelt der Spieler über die Anzahl seiner Kälte Marker, wird die Frage mit JA beantwortet und das Geschehen  nimmt seinen Lauf. Würfelt er darunter, so lautet die Antwort NEIN und die Geschichte geht anders weiter. Durch diese Schicksalsfunktion kommt einiges an Pepp und Abwechslung ins Spiel und das ohne zig Regeln.

Neben den Regeln, möglichen Geschichten und Tipps, finden sich auch Legenden im Regelwerk, welche auch schnell in ein Szenario umgewandelt werden können und damit „spielfertig“ sind.

Mein Fazit: Ein herrliches, stimmiges (nicht ganz) casual Rollenspiel, vor einem gruseligen Hintergrund. Jeder, der etwas am Geschichten erzählen  hat, Rollenspiel mag und sich gerne gruselt, sollte hier zugreifen. Mir persönlich gefällt es sehr gut und es ist das erste Regelwerk seit langem, dass ich in einem Zug und vollständig, gelesen habe. Es ist eine herrliche Vorstellung, mit Gleichgesinnten am Lagerfeuer zu sitzen und seine eigene Geschichte zu spielen. Zieht Euch warm an Leute, denn der Winterwald hat seinen Namen nicht von irgendwo her.

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Alle Bilder sind dem Regelwerk vom System Matters Verlag , bzw. der homepage Red Moon Medicine Show / Clint Krause  entnommen

Stay tuned

Rezi: Die Geschichten von Yggdrasil

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Hallo Leute,

ich muss gestehen, dass ich mir sehr viele Gedanken über diese Rezension gemacht habe. Nicht, weil das Buch schlecht ist, im Gegenteil. Es kommt mir jedoch etwas vor, als müsste ich die Bibel rezensieren. Wir reden hier von einer sehr alten Bibel, deren Ausdrucksweise wir nicht verstehen würden. Und diese Bibel wurde, von einem wundervollen Menschen, in die Moderne versetzt. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um „DIE“ Bibel, sondern um eine weitere Bibel. Derer gibt es in meinen Augen viele. Gibt es doch auch viele Götter und nicht nur den einen (in meinen Augen).

Jene Bibel hat einiges gemeinsam mit „DER“ Bibel, aber sie ist dennoch vollkommen anders. Luci van Org (meinen herzlichsten Dank an sie, für die Bereitstellung dieses Werkes) hat mit viel Herzblut, Fantasie, Weisheit und Intelligenz die alten nordischen Sagen in unsere Zeit transferiert. Und dies mit vollem Erfolg.

Ich verfiel den Sagen um Odin, Thor, Loki, Frigg,… und die Götter, Riesen, Zwerge,… wurden zu meinen Freunden. Ich freute mich jeden Abend aufs neue, diese Lektüre genießen zu dürfen. Uns werden hier Geschichten, rund um die nordischen Götter, erzählt. Es handelt sich um lustige, traurige, boshafte, bemerkenswerte und vor allem wissenswerte Dinge. Wir erfahren, wie die nordischen Götter noch heute unter uns sind.

Sei es in den Namen diverser Wochentage, z.B.: stammt der Name „Donnerstag“, von niemand geringerem, als Thor, dem Donnerer ab. Sei es die Tatsache, dass Menschen den Göttern mehr als ähnlich sind. Sei es die enge Beziehung zu „DER“ Bibel, schließlich haben die nordischen Götter unsere Welt, laut den Sagen, auch erschaffen. Sei es die enge Bindung der nordischen Götter zu den Menschen. Oder sei es und das ist wichtig(!), die Tatsache, dass Gastfreundlichkeit den Göttern mehr als alles andere bedeutete.

Letzteres wird leider durch diverse nationalsozialistische Gruppen anders dargestellt, die die nordischen Götter für sich beanspruchen und diese dadurch etwas „braun“ angestrichen haben. An dieser Stelle möchte ich nur sagen: „Ihr unwissenden Dämlacken.“ Die nordische Mythologie hat nichts, aber auch gar nichts, mit rechtem Gedankengut zu tun. Im Gegenteil! Das lässt sich aber erstens aus dem Buch herauslesen und ist zweitens sowieso klar, da solches Gedankengut keinen Platz hat. Leider bedienen sich immer wieder klägliche Randgruppen religiöser Hilfe, was aber einfach falsch ist.

Mich persönlich haben die Geschichten bereichert. Manche kannte ich schon, manche nicht. Ich fühlte mich teilweise an den ersten Part von „Das Leben und das Schreiben“, von Stephen King erinnert. Hier berichtet er von zusammenhanglosen Erinnerungsfetzen aus seiner Jugend, die doch irgendwie ein Ganzes ergeben (auch wenn Herr King dies bestreitet).

Und für Fans der aktuellen Serie (und des genialen Buches) „American Gods“, kommt dieses Werk auch gerade recht. Viele Charaktere sind mehrschichtiger, als zuerst gedacht. Schnell kommen das klassische Gut und Böse durcheinander. Niemand ist rein gut oder böse. Es vermischt sich. Wird menschlich.

Ich hatte mir so viele nette Dinge aus dem Buch notiert, die ich zum Besten geben wollte, aber das passt nicht. Bei diesem Werk ist es richtiger, wenn ich mich pauschal halte (mit der Info, dass das Buch klasse ist) und jeder für sich die kleinen Dinge darin entdecken soll und das große Ganze, welches die Lektüre ergibt. Daraus lernen soll, darüber nachdenken soll oder manchmal auch einfach lachen.

Die ganze Familie ist dazu eingeladen, denn auch die Kleinen können die Geschichten ohne Probleme verstehen und davon lernen.

Es handelt sich hier halt um „DIE“ etwas andere Bibel, die jedoch viele Parallelen zeigt und sich herrlich lesen lässt.

Mein Fazit: Alle Fans von aktuellen nordischen Serien (American Gods, Vikings,…) werden hier genauso perfekt unterhalten, wie Leute, die einfach mal wieder etwas anderes lesen möchten. Dies ist kein zusammenhängender Roman, sondern vielmehr eine einfühlsame Anthologie, die von einer Person zusammengefasst wurde. Ich habe mich prächtig amüsiert und bin Luci sehr dankbar, dass ich dieses Werk beurteilen durfte. Bewerten kann ich es nicht, da es keine ausgedachte Geschichte ist. Aber Schreibstil und Herzblut bekommen von mir 6 von 5 Speeren. Und das „neue“ Havamal: GRANDIOS!