YOU DON´T PFUHL ME

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mde

(c) Krötor

Ich saß wie immer in meinem Büro, als es geschah. Ich trank billigen Whiskey und rauchte billige Zigaretten. Gedankenverloren starrte ich in den Regen, der die Stadt zu ertränken schien. Einen Klienten hatte ich schon ewig nicht mehr gesehen und ich überlegte mir, wo ich das Geld für mein beschissenes Leben herbekommen sollte. Der letzte Auftrag war schon ein Stück her und die Klientin war nicht eben reich gewesen. Ein paar nette Blicke und ein tiefer Ausschnitt hatten gereicht, dass ich ihr für ein Trinkgeld half, ihrem Mann beim Fremdgehen auffliegen zu lassen. Egal. Ich musste nach vorne schauen, auch wenn dort vermutlich genauso viel Scheiße liegen würde, wie hinter mir.

Plötzlich sprang die Bürotür auf und ich sah die vermutlich längsten Beine, die es auf der Welt gibt. Diese steckten in Nylons und der dazugehörige Körper brachte mein Blut in Wallung. Sie trug ein schwarzes Kostüm, das ihre schlanke Figur und die wundervollen Brüste eng umschlung. Ihre blonden Haare fielen glatt auf ihre Schultern und umrahmten ein unverschämt hübsches Gesicht. Blaue Augen sahen mich eiskalt an. Ich wusste direkt, dass diese Frau Ärger bedeuten würde. Sie kam mit anmutigen Schritten zu mir und knallte ein Buch auf den Tisch. Sie sagte nichts, rein gar nichts. Danach zeigte sie mir ihre hübsche Kehrseite, als sie mein Büro direkt wieder verließ.

Vollkommen verdattert lief ich ihr hinterher, konnte aber nirgends eine Spur von ihr ausmachen. Also ging ich wieder zurück in mein Büro, goss mir noch ein Glas billigen Whiskey ein und zündete mir eine weitere billige Kippe an. Dann nahm ich das Buch in Augenschein. Es handelte sich um einen Roman namens “PFUHL”, den eine gewisse Germaine Paulus geschrieben hatte. Ungewöhnlicher Name, dachte ich bei mir und stieß auf den Verlag des Buches. THE DANDY IS DEAD. Ungewöhnlicher Name, dachte ich wieder und suchte den Verlag in den tiefen des Internets. Ich fand ihn recht schnell und auch das Buch, welches ich unerwartet geschenkt bekam, war auf der homepage zu finden. Ein Pulp Roman mit Morden also, hört sich doch gut an. Außerdem fand sich auf der homepage sogar der Soundtrack zum Buch. Da ich eh nichts besseres zu tun hatte, ließ ich den ersten Track laufen und widmete mich dem Lesen.

mde

(c) Krötor

“PFUHL” war wirklich ein Pulp Roman, da hatte die homepage von THE DANDY IS DEAD nicht gelogen. Ich las eine Menge über Morde, Sex, Drogen, grausame Menschen, kaputte Menschen, Morde und Sex. Der Bodycount in dem Buch war bemerkenswert, ebenso der Bodycontact, den die Protagonisten hatten. Schon heftig, wie viel auf rund 300 Seiten getötet und gefickt werden kann, dachte ich grinsend bei mir. Das Buch war geradlinig, witzig und spannend geschrieben, so dass ich es an einem Abend durch hatte. Die Story erinnerte mich an eine Tatort Folge, die von Quentin Tarantino geschrieben wurde. Auch die zwei Hauptfiguren konnte ich mir gut in solch einer Tatort Folge vorstellen. In Gerd Wegmann sah ich mich direkt selbst. Immer gerade aus und gerade heraus. Öfter mal einen sitzen und ständig den harten Kerl spielend. Sein jüngerer Kollege Tim Taubring hingegen versuchte, im Leben anzukommen. Frau, Kind, vielleicht mal mit Rauchen aufhören (an der Stelle zündete ich mir eine weitere Fluppe an), jung und gutaussehend. Die beiden Polizeibeamten gerieten an diverse Mordfälle, die ideenreich und blutig beschrieben waren. Im Institut standen ihnen ein arroganter Penner von Pathologe, eine verdammt gutaussehende Pathologin und ein kräftiger Psychologe, mit dem Herz am rechten Fleck, zur Seite. So kämpften sich die beiden durch üble Mordfälle, privaten Scheiß und den ein oder anderen Kater. Dabei entwickelten alle Charaktere eine bemerkenswerte Tiefe.

Ich fand es sehr gut geschrieben (man beachte auch, dass es vor 16 Jahren fertig gestellt wurde, also ein jüngeres Werk der Autorin) und sehr lesenswert. Einziges Manko waren für mich die häufigen Perspektivenwechsel, die etwas gestört haben. Ansonsten ein solides Buch, das mir verdammt gut gefallen und mich kurz von meinem Scheiß Leben abgelenkt hatte. Außerdem nahm ich mir fest vor, Sätze wie: “Sie riechen nach Nutte”, oder “Das ist alles so verdammt pathetisch, dass ich Sodbrennen bekomme”, fest in mein verbales Repertoire aufzunehmen.

Auf der letzten Seite stand von Hand geschrieben: wir sehen uns im UNTERDECK. Darunter ein Kussmund aus Lippenstift. Dann werde ich mir dieses UNTERDECK wohl mal ansehen. Muss mir ja die Zeit vertreiben, wenn ich schon keine Kunden habe.

 

Vielen lieben Dank für das Buch, liebe Germaine. Ich habe es genossen. Gerd und Tim habe ich ins Herz geschlossen und hoffe noch mehr von ihnen zu lesen. Außerdem hoffe ich, dass bald jemand ein Akt-Bild von Rebecca malt 🙂

 

Stay tuned

 

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Abstand

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SWR

Quelle: SWR

Hallo Leute,

die letzten paar Wochen war ich sehr häufig auf Deutschlands Straßen unterwegs. Viele Kilometer legte ich zum Beispiel zurück, um ein grandioses Seminar für Schreiberlinge besuchen und genießen zu dürfen. Da ich selbst nicht gerne mit der Bahn unterwegs bin und 1200 Kilometer eher schwierig zu Fuß oder mit dem Radl zu bewältigen sind (vor allem dann nicht, wenn man zeitlich gebunden ist), bevorzuge ich die Fahrt mit dem Auto. Man hat seine Ruhe, kann sich Hörbücher anhören, seinen Gedanken nachhängen, die Strecke genießen (wenn sie denn schön ist) oder einfach Radio hören. Da mein Weg zur Arbeit auch rund 50 Kilometer beträgt und ich viel unterwegs bin, habe ich also einiges an Erfahrung, was das Autofahren angeht.

Das Autofahren hat sicherlich viele Vorteile. Leider bringt es auch Nachteile mit sich. Diese sind allerdings nicht bedingt durch einen selbst (das kann ja gar nicht sein) sondern, durch die anderen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Stau, bzw. zäh fließender Verkehr. An sich eine sehr unschöne Situation. Verbrachte ich doch am Wochenende die meiste Zeit, auf einer bestimmten Autobahn, im Stau. Ich rede hier von der A7. Im Kopf stellte ich die These auf, dass Autobahnen „Freudenmädchen“ sind, die (salopp gesagt) jeden drauf lassen. Die A7 muss besonders gut sein, dachte ich bei mir. Und sie war es auch. Ich war unendlich befriedigt, als ich nicht mehr auf ihr war.

Nun gibt es im Stau (egal ob auf Autobahn, Bundesstrasse, Landstrasse oder was auch immer) verschiedene Verhaltensweisen, von verschiedenen Archetypen der Verkehrsteilnehmer. Hier möchte ich wieder meine beliebten Musterbeispiele aufzeigen, die uns Stück für Stück, dem Kern der heutigen Kolumne, näher bringen. Legen wir also los:)

Panne auf A6: Zwölf Kilometer Stau im Berufsverkehr

Quelle: Badische Neueste Nachrichten

1st: DER MEGATYP

Zu diesem zähle ich mich gerne selbst, denn er macht alles richtig. Er ist auch im Stau aufmerksam und zuvorkommend, wie ein grandioser Liebhaber. Er behält alles im Auge. Er döst nicht vor sich hin oder spielt am Handy. Er sieht es, wenn jemand die Spur wechseln möchte und lässt ihn dies tun. Für ihn ist der Stau eine nervige Sache, das ist klar, aber er zieht ihn souverän durch. Er ist der Commander. Hat alles im Griff. Andere Autofahrer schauen zu ihm auf und verehren ihn. Autofahrerinnen schmelzen dahin, wenn er an ihnen vorbei fährt und es kommt nicht selten vor, dass diese sich die Kleider vom Leib reißen und auf ihn zustürmen. Dies ist auch ganz natürlich, denn er ist der Alpha. Kein Arschloch-Alpha, sonder der souveräne, nette, zuvorkommende Alpha, der dennoch weiß, was er will und dies durchsetzt. Fast unmerklich subtil. So genial ist dieser Megatyp. Er hat keine Feinde, sondern nur Freunde und oftmals wird er von Engels-Chören angekündigt.

2nd: DER ICH-MACH-DIE-SCHEISS-LÜCKE-DICHT-TYP

Dieses Exemplar eines Autofahrers ist eher egoistisch angehaucht. Ihm geht es darum, schnellstmöglich sein Ziel zu erreichen. Dies wird natürlich im Stau oder zäh fließendem Verkehr, schwierig. Dennoch versucht er sich, stoisch wie er ist, seinen Vorteil zu erFAHREN. Er schließt direkt jede Lücke, die entsteht. Er wechselt die Spur (rücksichtslos versteht sich) sobald er denkt, es wäre von Vorteil für ihn. Er hat eine miese Ausstrahlung und kommt bei den anderen Verkehrsteilnehmern nicht gut an. Und schon gar nicht möchte eine Teilnehmerin Verkehr mit ihm haben. Er kämpft bedingungslos und überholt zum Beispiel den MEGATYP. Jedoch nur, um eine Stunde später, wieder von selbigem überholt zu werden. Er verschwendet unnötige Energie um ein Ziel schneller zu erreichen, als die anderen. Leider ist er höchstens ein paar wenige Minuten schneller am Ziel, da halt mal alle im Stau stehen. Rettungsgasse ist ein Fremdwort für ihn. Er fährt direkt hinter dem Rettungswagen her, um so sein Ziel noch schneller zu erreichen. Er ist von Grund auf egoistisch und wurde früher sicherlich viel gehänselt. Außerdem erreicht er wenige Ziele in seinem Leben. Er ist der Typ, der die Kaffeetasse auf die Spülmaschine stellt und sie nicht einräumt, damit andere das für ihn tun. Alle Lachen über ihn und sein Verhalten, aber er hält sich für schlauer. Wenn es nicht zwangsläufig mit einem Unfall und Schmerzen verbunden wäre, so würde er ein anderes Fahrzeug rammen. Dies in der Hoffnung, mit dem Rettungshubschrauber aus dem Stau raus zu kommen. Hätte nicht er den körperlichen und materiellen Schaden, so würde er mit Sicherheit soweit gehen, um ganz schnell dem Stau zu entkommen. Haltet Euch also fern von solchen Typen, denn die sind doof.

3rd: DER ICH-HALTE-AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAABSTAAAAAAAAAAAND-TYP

Ich zähle mich zu dem MEGATYP, kann den ICH-MACH-DIE-SCHEISS-LÜCKE-DICHT-TYP halbwegs verstehen, bzw. seine Art und Weise nachvollziehen. Aber der ICH-HALTE-AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAABSTAAAAAAAAAAAND-TYP ist mir ein komplettes Rätsel. Folgende Situation: Wir fahren munter vor uns her und das Auto vor uns fährt sehr langsam. Wir ärgern uns darüber, können aber nicht überholen, da wir gerade in einer Kurve sind. Nach der Kurve sehen wir, dass wir eigentlich im Stau stehen. Das konnten wir jedoch vorher nicht erkennen, da der Fahrer im Wagen vor uns – GRUNDLOS – einen Abstand von geschätzten 20 Kilometern hielt. Warum macht jemand so etwas? Sind die Bremsen total fertig? Hat er Angst vor anderen Autos? Möchte er uns einfach nur ärgern? Döst er vor sich hin? Muss er einen bestimmten Abstand halten, um den Weltuntergang zu verhindern? Bekommt er pro Kilometer Abstand eine gewisse Summe an Geld? Was ist mit dem los? Stellen wir uns einmal vor, jeder würde so fahren. Dann hätten wir permanent Staus auf allen Strassen. Und wehe WEHE man überholt ihn. Dann gibt es ein Hup- und Lichtkonzert, das einem Auftritt von Rammstein in nichts nach steht. Und solch einen Unhold hinter sich zu haben, wenn er verärgert ist, macht gar keinen Spass. Also besser nicht überholen.

Also Leute, wenn ihr schon keine MEGATYPEN sein könnt (warum auch immer) dann werdet bitte zumindest niemals ICH-HALTE-AAAAAAAAAAAAAAAAAAAABSTAAAAAAAAAAAND-TYPen. Tut dies dem Rest der Welt einfach nicht an.

Stay tuned

Quelle Beitragsbild: Focus