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Gelb – Kapitel 5-7

Hey Leute,

da GELB echt gut ankommt, gibt es heute Nachschlag. Kapitel 5 bis 7.

Viel Spaß damit und Stay tuned

KAPITEL 5: DER HEIMWEG

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

Wir verabschieden uns von dem Rest der Mannschaft, die noch vor Ort ist. Gerne würde ich noch mit Sandra reden, aber Melanie (ihre beste Freundin) erzählt mir, dass Sandra direkt nach dem Spanner-Ansturm (wie sie es nannte) nach Hause sei.

Achim (unermüdlich im Auftreiben von Alkohol) schaff es tatsächlich, uns noch Weg-Biere zu besorgen. Eine Kunst, für die wir ihm sehr dankbar sind.

Also begeben wir uns auf den müh- und alkoholseeligen Weg zu selbigem. Wir gehen unter sternenklarem Himmel und nehmen die vielfältigen Gegebenheiten einer angehenden Sommernacht nicht wirklich wahr. Grillen zirpen ohne unsere Kenntnis, Glühwürmchen sind im Paarungsmodus, die Nachtigall singt ihr Abendlied. Alles ohne uns.

Ich bin in ein Gespräch mit Julius vertieft (gewinnt Terminator gegen Robocop), als ich aufschrecke. Etwas ist vor mir und an dem angsterfüllten Blick von Julius sehe ich, dass er es auch sieht. Etwas gelbes schält sich durch die Dunkelheit. Etwas unangenehm gelbes. Etwas sehr dominantes und bedrohliches. Ich kann es nicht direkt zuordnen, da es mich blendet, obwohl ich nicht sonderlich hell angestrahlt werde. Und auf einmal ist es nicht mehr da. “Was war das”, frage ich Julius, der genauso ungläubig ausschaut, wie ich mich fühle. Ich merke, dass er darum ringt, weiter zu reden. Schließlich sagt er: “Alter, war das Kasim?”. Ich nicke nur stumm und wir gehen weiter. “Vorhin war er auch schon da”, nehme ich das Gespräch wieder auf. “Als du so merkwürdig drauf warst?”, fragt er mich. “Genau”, kommt meine Antwort. “Wie kann das sein”, fragt Julius mich, “ich meine, er ist halt”, “tot”, beende ich den Satz. Wir beschließen stumm, die anderen zu fragen, was sie sahen. Alle erzählen, dass sie etwas merkwürdiges gesehen haben, aber keiner kann es benennen. Mein Bruder kommt noch am nächsten daran als er meint, “das sah aus, wie ein gelbäugiger Türke”.

Nachdem  nicht viele die selbe “Eingebung” wie wir haben, beschließen Julius und ich, nichts mehr darüber zu sagen. So gehen wir unseren Weg still weiter.

“Scheiße” dröhnt es auf einmal an unsere Ohren. Alarmiert schauen wir auf, nur um dann zu vernehmen, dass Achim und Ralf kein Bier mehr haben. Nicht sonderlich enttäuscht von dieser Botschaft, setzen wir unseren Weg fort.

Wir beide (denke ich) versuchen uns abzulenken, indem wir uns wieder der “Robocop gegen Terminator” Sache widmen. “Alter”, beginne ich, “Robocop ist einfach der Hammer. Es gibt  nur einen und der schlägt jedem verdammten Terminator in die Flucht”. “Niemals”, kontert Julius. “Der Terminator kann durch die Zeit reisen und Robocop auf jeder beliebigen Zeitebene zerstören”. “Nein”, kommt es von mir. “Wenn dem so wäre, würde es, wenn überhaupt, nur einen Teil von Terminator geben”. “Wie?” fragt Julius. “Ganz einfach”, beginne ich, “wenn der Terminator genau dann da sein kann, wo er sein will, dann verhindert er alle Angriffe gegen ihn.” “Das ist doch absoluter Unsinn”, erwidert Julius, “ich mein, er…

Gleißend helles, gelbes Licht strömt direkt in meine Augen. Es tut so weh, als würde mir jemand tausend Nadeln in die Augen stechen. Der Schmerz hört nicht auf, sondern wird noch viel schlimmer und intensiver. Ein Gedanke entwickelt sich in meinem Kopf, doch ich kann ihn vor Schmerzen kaum greifen. Ich denke mir, dass sich so ähnlich eine Frau fühlen muss, die gerade ein Kind bekommt, als der Schmerz abrupt abbricht. Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Was war das gerade? Wieder Kasim? Aber warum? Was soll das alles? Fragen über Fragen. Ich versuche, einen kühlen Kopf zu bewahren und sehe mich um. Meinen Leuten scheint es ähnlich gegangen zu sein wie mir, denn sie schauen alle sehr verängstigt drein.

“Was war das”, schreit Achim, der schlagartig wieder nüchtern zu sein scheint. Julius, Ralf und mein Bruder schauen ihn nur mit vor Angst geweiteten Augen an. Sie haben, genau wie ich, keine Ahnung, was das war.

“Was habt ihr gesehen”, frage ich in die Menge. “Gelbes Licht und Schmerzen”, antwortet mein Bruder. Die anderen nicken. Also hatten wir diesmal alle dieselbe Wahrnehmung. “Was soll das alles?”, beginnt Ralf leise zu sagen. “Wir haben doch niemandem etwas getan. Warum passiert uns das hier? Wir wollten doch nur eine schöne Zeit haben und jetzt das. Dieser Mist”, schließt er und lässt sich gegen einen Baumstamm fallen. Er ist fix und fertig. Genau wie wir anderen auch. Wir haben Angst und sind verunsichert. Gar keine schöne Kombination. Nach kurzem Durchatmen beschließen wir, weiter zu gehen und uns in die vermeintliche Sicherheit von Achims Wohnung zu flüchten.

Wortlos treten wir den Rest des Weges an, der glücklicherweise ohne Zwischenfälle daherkommt.

 

KAPITEL 6: DER ÜBERGANG

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

 

Wir sind alle erleichtert, als wir bei Achim ankommen. “Setzt ihr euch schon mal hin, ich hole uns etwas zu trinken”, meint er. Gute Idee. Wir begeben uns auf die Couch und warten stumm, bis Achim wieder kommt. Nach ca. 5 Minuten erscheint er, mit einer schönen Flasche in den Händen, in der eine bräunliche Flüssigkeit schimmert. “Don Papa Rum”, meint Achim kurz angebunden. “Eigentlich wollte ich ihn für eine besondere Gelegenheit aufheben, aber ich denke, dass hier ist auch irgendwie eine besondere Gelegenheit”, fährt Achim fort. Er stellt die Flasche auf den Tisch, geht zum Schrank und nimmt 5 schön geschwungene Rumgläser hervor. Danach öffnet er die Flasche und schenkt jedem von uns ein Glas aus. Ich rieche an dem Rum und Vanille, sowie Honigaroma offenbart sich mir. Ein schöner Gedanke, nun endlich in Sicherheit zu sein und hochwertigen Rum zu genießen. Hoffentlich bleibt es auch so, denke ich bei mir. “Prost, auf die Farbe Gelb”, sagt Achim und hebt sein Glas. Ich finde, dass dies ein reichlich makaberer Trinkspruch ist, stimme aber dennoch ein. Die anderen wiederholen den Spruch auch und so trinken wir. Der Alkohol rinnt warm, süß und angenehm meine Kehle hinab. Ich habe das Gefühl, dass er meinen ganzen Körper erwärmt und auch ein Stück meiner Sorgen wegspült. Wie Kaffee mit Zauberwirkung. Den anderen geht es ähnlich, wie ich an ihren Gesichtern erkennen kann.

“In was sind wir da reingeraten”, fragt mein Bruder etwas mürrisch. Wir sehen uns alle fragend an, bis Ralf antwortet: “Ich habe absolut keine Ahnung. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es erscheint so unwirklich und ich kann es nicht zuordnen”. “Mir geht es genauso”, ergreift Julius das Wort, “was war das? Wie kann so etwas sein? Und warum geschieht es gerade uns. Ich meine, haben wir irgendwem oder”, er stockt kurz, “irgendetwas auf die Füße getreten? Ich jedenfalls kann mich nicht daran erinnern”. Achim, sieht ihn verwirrt an und fragt schließlich: “was meinst Du mit irgendetwas”? “Nun ja”, fährt Julius fort, “das war ja wohl kaum irgendein Wetterphänomen oder so. Kein Wetterphänomen tut so weh, es sei denn, du wirst von einem verdammten Blitz getroffen. Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir von einem verdammten Blitz getroffen wurden”. “Schon klar”, meint Achim, “aber das heißt noch lange nicht, dass es etwas Übernatürliches war”.

“DOCH”, dröhnt eine dunkle Stimme aus dem Fernseher, der eigentlich ausgeschaltet ist. Alle Köpfe rucken Richtung des TV-Gerätes. Wir sehen einen schwarzen Bildschirm, in dem ein gelbes etwas schimmert, wie eine gelbe Rauchwolke auf schwarzem Himmel. Das Gelb erinnert mich schmerzhaft an die Geschehnisse im Wald. Keiner von uns ist imstande den Kopf vom Gerät abzuwenden, geschweige denn etwas zu sagen. Wir starren gebannt und warten, was als nächstes kommt. “Das was gerade mit Euch geschieht, ist etwas, was ihr Menschen als Übernatürlich bezeichnen würdet”, fährt die unangenehme, dunkle Stimme fort. “Die nächsten Jahre werden für Euch schnell vergangen sein. Aufgaben gilt es zu erfüllen. Einige oder alle von euch werden sterben. Und wir werden unseren Spaß dabei haben”. Die Stimme verstummt und es herrscht eine unangenehme Spannung im Raum und eine Stille, die so unnatürlich ist, wie die Stimme zuvor. Keiner sagt etwas, von uns ist noch niemand zum Reden fähig und die Stimme scheint alles gesagt zu haben, was es in diesem Fall zu sagen gibt. Meine Gedanken überschlagen sich. Warum werden die Jahre schnell vergehen… Welche Aufgaben werden wir erfüllen müssen?  Und sterben werden einige oder alle. Das macht mir eine unsagbare Angst. Es ist so surreal. Eben noch hatten wir einen schönen Abend auf einer Feier. Alles war normal. Und nun das? Mir wird schwindelig und etwas übel. Wir hängen alle unseren Gedanken nach, bis ich mich schließlich zu Wort melde. “Scheiße”, sage ich, “verdammte Scheiße. Was machen wir jetzt”? Es kommt keine Antwort. Keiner kann mit der Situation umgehen. Kein Wunder, denn wer hat so etwas schon mal erlebt. “Wir werden alle sterben”, schreit Ralf. Dann springt er auf und rennt aus dem Raum. Wir laufen ihm nach, bis er vor der Tür stehen bleibt, “ich will nicht sterben” schreit, und dann zusammenbricht. Achim ist direkt über ihm und versucht, ihn wieder aus der Ohnmacht zu reißen. Nach einigen Ohrfeigen und zureden kommt Ralf wieder zu sich. “Geht es wieder”?, fragt Julius. “Ja”, kommt die knappe Antwort. Ich für meinen Teil habe genug von diesem Tag. Ich beschließe, mich soweit zu betrinken, dass ich halbwegs einschlafen kann und dann zu Bett zu gehen. Ich teile den anderen meinen Vorschlag mit und sie tun es mir gleich. Wortlos trinken wir Glas für Glas an Rum und Flasche für Flasche an Bier. Ansonsten ist es still im Zimmer. Keiner möchte etwas sagen. Jeder ist in seinen eigenen Gedanken gefangen.

Schließlich macht sich der Alkohol soweit bemerkbar, dass ich den anderen mitteile, mich nun ins Bett zu begeben. Ich gehe ins Gästeschlafzimmer von Achim, ziehe mich aus und lege mich ins Bett. Ich schlafe ein, bevor mein Kopf das Kissen berührt.

Auf einmal befinde ich mich auf einer schwarzen Steinplatte. Ich sehe nichts. Es fühlt sich komisch an, anders als sonst. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll oder woran es liegt. Die Luft ist irgendwie falsch. Genau wie die ganze Atmosphäre dort, wo auch immer ich bin. Ich vermute, dass es sich um einen Traum handelt und beschließe, erst einmal nichts zu tun. “DEINE CHANCE IST SIEBEN” donnert eine Stimme in meinem Kopf. “SIEBEN”.

 

KAPITEL 7: DER GELBE JAHRMARKT

 

???

???

???

 

Ich erwache. Ich habe starke Kopfschmerzen und meine Liegeposition ist äußerst ungemütlich. Als ich meine Augen öffne sehe ich nur Schwärze. Sonst nichts. Undurchdringliche Schwärze. Diese untermalt von dem schmerzenden Pochen in meinem Kopf. Wo bin ich hier? Anscheinend liege ich auf einem Steinboden, soweit ich das fühlen kann. Kein gemütliches Bett, kein kuscheliges Kissen und keine warme Decke. Was ist passiert? Wie komme ich hierher? Ich beschließe, mir meine “Behausung” etwas näher anzusehen, anzufühlen.

Ich versuche auf zu stehen und merke, dass ich noch sehr wackelig auf den Beinen bin. Also lasse ich mich wieder in eine sitzende Position nieder. Ich versuche zu überlegen, was als letztes passiert ist. Langsam kommen die Erinnerungen an das Fest zurück. Und die Erinnerungen an Kasim und die Geschehnisse im Wald, sowie bei Achim. Und mein Traum von letzter Nacht. Sieben ist meine Chance… Was soll das? Ich beschließe, noch eine Weile sitzen zu bleiben und mich zu regenerieren. Fünf Minuten oder auch zehn, ich weiß es nicht genau, sitze ich nur still da und konzentriere mich auf meine Atmung, um ruhig zu werden. Dann versuche ich einen zweiten Anlauf und stehe auf. Diesmal funktioniert es. Ich bin zwar immer noch nicht vollkommen sicher auf den Beinen, aber ich kann stehen bleiben und sogar gehen.

Es ist immer noch stockfinster und mein Kopf schmerzt. Ich gehe also langsam nach vorne und halte meine Hände tastend vor mich. Ich wundere mich darüber, wie groß dieser Raum oder diese Fläche ist. Ich kann eine ganze Weile gehen, ohne wieder etwas zu stoßen und zum Glück auch, ohne über etwas zu stolpern. Nach einer Zeit berührt meine Hand eine Mauer aus groben Backsteinen, wie ich vermute. Ich taste mich an diesen entlang, bis ich an eine Art Schalter gelange. Ein Schalter? Jegliche Art von Strom und sonstigen Annehmlichkeiten, hätte ich dieser Umgebung nicht zugetraut. Ich beschließe, den Schalter zu betätigen.

Dies führt dazu, dass mein Kopf noch mehr gequält wird, da plötzlich ein helles Licht den Raum beherrscht. Ich schließe die Augen und blinzle immer wieder, bis sich meine Sehwerkzeuge an die Lichtmassen gewöhnen. Als ich endlich etwas erkenne werde ich nicht schlau, aus der Umgebung. Ich stehe in einem kreisförmigen Raum aus Stein. Der Raum ist umgeben von einer steinernen Wand. Diese wird lediglich von einer Tür und dem genannten Schalter “verziert”. Ansonsten ist da nichts, außer…

Außer, dass der Raum keine Decke hat. Das ist mir gar nicht aufgefallen, weil er so hoch ist. Aber er hat keine Decke. Und so sehe ich einen schwarzen Himmel, der von etwas gelbem durchzogen ist, wie wenn man Zigarettenrauch aushaucht. Das gelbe wabert durch den schwarzen Himmel. Mir läuft es kalt den Rücken herunter. Es ist mir irgendwie zuviel Gelb in der letzten Zeit. Viel zu viel. Außerdem möchte ich wissen, wo ich bin. So gehe ich zu der Tür. Ich entdecke schnell, dass sie nicht abgeschlossen ist. Zuerst lausche ich, kann aber keine Geräusche ausmachen. Dann lösche ich das Licht, damit ich keine Aufmerksamkeit errege und mache die Tür einen Spalt weit auf. Ich schaue durch den Spalt und sehe einen Bierstand. Ich habe an diesem Ort alles erwartet. Einen Kerker, Folterinstrumente, Drachen, Elfen, was auch immer, aber keinen Bierstand. Ich öffne die Tür etwas weiter und sehe mich um. Es ist schwierig, genaueres zu erkennen, da der gelbe Nebel hier überall ist. Da ich keine Gefahr ausmachen kann, wage ich mich aus meinem Domizil heraus. Zuerst steuere ich auf den Bierstand zu. Komischerweise sieht dieser fast genauso aus, wie der auf dem damaligen Fest. Er ist aber verwaist. Niemand vor oder hinter der Theke. Ich gehe weiter und dann schält sich eine Berg- und Talbahn durch den gelben Nebel. Vielmehr sieht es aus, wie die Karikatur einer solchen. Das Grundprinzip ist geblieben, aber die ganze Konstruktion sieht bedrohlich und unangenehm aus. Es ist alles in schwarz gehalten. Keine andere Farbe ist auszumachen. Und ein Gefühl sagt mir, dass diese Bahn gefährlich ist. Nicht das Modell, das man von Jahrmärkten her kennt und Spaß darauf hat. Nein. Dieses Konstrukt sprüht geradeso vor Aggressivität. Das mag natürlich auch an meiner Stimmung, der Umgebung und meiner immer noch andauernden Verwirrung liegen, aber die Bahn macht mir Angst.

Da auch hier niemand zu sein scheint, “spaziere” ich weiter.

Das nächste, was durch den Nebel sichtbar wird, ist ein Riesenrad. Auch dieses ist komplett schwarz. Und auch von diesem geht dieses unheimliche Gefühl aus. Alles in mir schreit: “Steig ja nicht ein”!

Wenn ich mich nicht täusche, ist dieses Riesenrad auch um einiges höher, als seine Genossen auf der Kirchweih und ähnlichem. Es kommt mir wirklich hoch vor. Und wirklich gefährlich.

Ich bekomme eine Gänsehaut. Warum bin ich auf diesem… Jahrmarkt gelandet? Wo sind die anderen? Was soll ich hier? Wo genau befinde ich mich? Noch in Deutschland? Diese Fragen kreisen in meinem Kopf, während ich weitergehe.

Die nächste “Attraktion”, die ich erkenne, ist ein Free Fall Tower. Auch dieser ist komplett schwarz und seine Ausstrahlung steht der, der anderen Gerätschaften in nichts nach. Nichts und niemand würde mich dazu veranlassen, dieses Teil zu benutzen. Auch er ist unglaublich hoch. Mir schaudert es schon bei dem Gedanken, dort einzusteigen.

Ich bin bis jetzt im Kreis gelaufen, im Uhrzeigersinn, wenn ich mich recht erinnere. Vielleicht kann ich erkennen, wo ich bin, wenn ich mich hinter den Gerätschaften umsehe. Als ich zurück gehe erkenne ich, dass hinter den Attraktionen eine Mauer verläuft. Sie ist ähnlich hoch, wie die Wände in dem Raum, welchen ich anfangs besetzte und sehr glatt. Hier kann ich nicht eben mal darüber klettern. Da hat selbst ein Profi arge Probleme.

Also erkunde ich den … Jahrmarkt… weiter.

Neben dem Free Fall Tower steht ein Karussell. Ein klassisches mit Pferden… halt, das sind keine Pferde. Sie haben zwar die Körper von Pferden, aber die Köpfe sind grässliche Masken. Wie schmerzverzerrte menschliche Gesichter. Auf jedem Pferdekörper sitzt solch ein Menschenkopf. Alle schauen unterschiedlich aus, aber alle sind erfüllt von Schmerz und Angst. Ich muß mich kurz abwenden, da der Anblick einfach abscheulich ist. Als ich mich wieder beruhigt habe, nehme ich das Gefährt näher in Augenschein. Alles ist schwarz gehalten, wie bei den anderen auch. Die Pferdekörper sehen normal aus, wenn man das in diesem Kontext so ausdrücken kann. Die Köpfe sind von Frauen, Männern und Kindern allen alters. Teilweise fehlen Ohren, Augen, Nasen oder gar der halbe Kopf. Die Gesichter sind sehr detailreich gearbeitet und lassen die Qualen erkennen, die die Skulpturen wohl durchleben mussten. Jede einzelne sieht aus, als hätte man sie zu Tode gefoltert und ihnen unsagbare Angst gemacht. Ich gehe einmal um das Karussell herum und erkenne den Kopf von Ralf. Mein Herz setzt kurz aus, ich habe Schwierigkeiten zu atmen und mein Kopf droht zu explodieren. Wie kommt sein Kopf dahin? Ich bete zu Gott, dass dies nur ein makaberer Scherz ist und nichts mit Ralf zu tun hat. Mein Puls ist in bedrohlicher Höhe und ich bekomme noch mehr Angst, als ich vorher schon hatte. Diese Situation ist einfach zu bizarr.

Ich verstehe diesen Ort nicht, von dem es scheinbar kein entrinnen gibt, denn auch hinter dem Free Fall Tower und dem Karussell zeichnen sich die Mauern ab. Ich weiß nicht, wie ich hierher kam und was ich hier soll. Mir geht das Gesicht von Ralf nicht mehr aus dem Kopf und ich widme mich diesem wieder. Es sind exakt seine Züge. Bei näherem Betrachten erkenne ich, dass sein linkes Auge fehlt. Es ist einfach Weg und lässt nur eine schwarze Höhle zurück. Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Ich bin überfordert und merke, dass ich beginne zu hyperventilieren.

“Möchten Sie ein Bier auf den Schreck, oder darf es gleich ein Schnaps sein”?, ruft eine Stimme aus Richtung Bierstand plötzlich.

 

Gelb, Kapitel 3 + 4

Hey Leute,

da die ersten beiden Kapitel gut ankamen, gibt es nun das dritte und sogar vierte Kapitel von „Gelb“.

Viel Spaß damit:

KAPITEL 3: AUF ZUM FEST

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

Mittlerweile haben wir neun Uhr abends und wir sind unterwegs zum Fest mit dem schwungvollen Namen “Tanz (oder Schwanz, wie wir scherzhaft sagen) in den Mai”.

Zum Glück ist es von Achims Wohnung aus nicht so weit zum Fest. Dennoch haben wir uns sicherheitshalber mit Weg-Bieren ausgerüstet, um allen Umständen trotzen zu können.

Das Wetter spielt fabelhaft mit. Wir können die Sterne klar am Himmel sehen, genießen die klare und natürliche Landluft und sind einfach gut drauf.

Wir schließen Wetten über die Schlafdauer von Achim ab, reden über die Dorfprominenz, die wir auf dem Fest erwarten, trinken unsere Weg-Biere und haben Spaß.

Das Weg-Bier fordert seinen Tribut und ich teile meinen Leuten mit, dass ich mal kurz für kleine Anacondas muss. So schlage ich mich durch die Hecken, knöpfe meine Hose auf und erleichtere mich. Ich schließe entspannt die Augen und freue mich auf den weiteren Abend. Auf einen Schlag fährt mir ein gelber Blitz durch die Sinne. Ich kann nicht recht erklären, wie es dazu gekommen ist. Aber ich fühle mich unwohl, ängstlich und schwach. Erschrocken reiße ich die Augen auf und Kasim steht vor mir. Kasim ist ein Türke aus unserer Umgebung. Keiner von uns hat etwas gegen ihn oder gar Ausländer an sich. Wir mögen alle Menschen, solange sie keine Arschlöcher sind. Leider ist Kasim ein Arschloch, aber vor allem ist Kasim tot. Er starb vor ca. einem Jahr bei einem Autounfall. Er fuhr und hatte ca. 3 Promille. Autobahn, auf die Gegenfahrbahn, in die Leitplanken und zack, tot.

Nun starrt er mich an und ich schaue ängstlich zurück. Seine Augen scheinen in mein innerstes vorzudringen und noch weiter. Ich frage ihn was er von mir will. Was zum Teufel er hier überhaupt macht, so als Toter. Er grinst mich an und sagt zu mir, dass ich sehr wahrscheinlich bald sein Schicksal teilen werde. Dann ist er verschwunden.

Ich muss mich jetzt ordnen. Ich nehme tief Luft, schließe erstmal meine Hose. Danach überlege ich, wie viel ich getrunken habe und wie echt diese Erscheinung somit in Wirklichkeit war. Ich weiß es nicht. Ich bin einfach noch zu verwirrt von dem Geschehnis und kann nichts richtig einsortieren. Ich beschließe, die Kasim Szene zu verdrängen und mit viel, sehr viel Alkohol wegzuspülen.

Ich gehe wieder zu den Jungs zurück. “Alter” kommt es von Achim, dessen Schlafbedarf wohl gedeckt ist, “du warst ziemlich lange weg. Hast du dich etwas spontan in dich selbst verliebt? Und dich begattet?” Alle lachen laut und auch ich versuchen einzustimmen. Es gelingt mir nur nicht ganz.

Den restlichen Weg versuche ich mich mit unnötigen Diskussionen abzulenken. Julius behauptet z.B.: ernsthaft, dass Scully gleich Akte X sei und Mulder nur Beiwerk. Ich frage ihn, ob es noch geht. Erkläre ihm, dass Mulder die ganze Serie ausmacht. Den ganzen Charme in die Serie bringt. Er bringt die Serie zum Leben und zum Leuchten. Er ist der scheiß Grund, aus dem die Serie läuft. Irgendwie lege ich meine ganze Verzweiflung, die ich durch Kasim erfahren habe, in diese Diskussion. Als könnte ich das Erlebte wegdiskutieren, wenn ich mich nur genug Mühe geben würde. Julius kontert mit dem Aussehen von Scully: “Sie ist so wunderschön. Ein Augenschmaus, total heiß. Sie spielt klasse und sie macht die Serie aus. Wusstest du, dass es eine Holy Church of Gillian Anderson gibt?”, fragt er mich.

“Es gibt bestimmt auch eine Holy Church of Achims Mutter” kontere ich, “aber nur weil die Alte passabel aussieht, macht sie noch lange nicht die Serie aus.” Achim schaut mich böse an und Julius scheinen weitere Argumente zu fehlen. Um ganz sicher zu gehen, setze ich nach “du kannst dir auch gerne Pornos mit tollen Schlampen anschauen, wenn du nur auf das Äußere stehst, aber das heisst noch lange nicht, dass diese Damen gute Schauspieler in einer scheiß Mystery Serie ersetzen können. Verstehst du?” Ich scheine die Diskussion für mich entschieden zu haben, denn Julius ist ruhig. Achim ist sowieso noch sickig auf mich und Ralf, sowie mein Bruder sehen mich mit stummen Vorwürfen an. Ich schaue ihnen nicht in die Augen, sondern gehe weiter.

Nach einiger Zeit stummen Gehens meldet sich mein Bruder zu Wort, der bisher erstaunlich still war. “Warum sind Titten geil?” höre ich ihn hinter mir sagen. Erschrockenes Gelächter stößt auf, traut man dem “Kleinen” doch gar nicht zu, sich mit der holden Weiblichkeit zu beschäftigen. “Das wirst du nie erfahren, wenn du nur mit Schwänzen spielst” gebe ich lachend zurück. Auch die anderen verfallen in schallendes Gelächter. Es geht mir wieder etwas besser.

Wir gehen den restlichen Weg gemeinsam in einer Reihe und plaudern noch etwas über die Sexualpartner meines Bruders, die Sexualpartner von Achims Mutter und die Sexualpartnerin von Ralf. Es werden gemütliches Spässchen gemacht und ich kriege mich allmählich wieder ein. Aber ganz vergessen kann ich das Erlebnis von vorhin nicht. Es bleibt wie ein dunkler Fleck in meinem Kopf zurück, ich kann daran reiben und putzen wie ich möchte. Ganz verschwindet er leider nicht. So leeren wir unsere Biere, genießen den schönen Abend und bringen unseren Weg zu Ende.

 

KAPITEL 4: DAS FEST

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

 

Wir nähern uns dem Gelände der Festivität und werden direkt von den typischen Geräuschen begrüßt, die solch ein Ereignis mit sich bringt. Laute Musik, noch lauteres Lachen, leise Gespräche und der ein oder andere Schrei dringen zu uns herüber. Optisch wird das Dorfspektakel untermalt durch eine simple Lichtanlage und Lichterketten. Die Nase wird verwöhnt durch den Geruch von Bratwürsten und Schwenkbraten. Verpönt wird sie hingegen mit billigem Parfum und Schweißgeruch, der allzu tanzwütigen. Wir gehen das letzte Stück eine Anhöhe hinauf und kommen schließlich an. Vor uns breitet sich der Festplatz aus. Die eben schon erwähnte Lichtanlage beleuchtet die kleine Tanzfläche, die mit der typsichen Musik unserer Zeit beschallt wird. Da jung und alt sich hier tummeln, wird auf eine ausgewogene Mischung geachtet. Die allgegenwärtigen Bands wie Nirvana, The Offspring, Green Day, Blackeyed Blond und NOFX begeistern das jüngere Publikum. ACDC, Queen, Westernhagen und Co. hingegen lassen die älteren Gesellen auf der Tanzfläche abgehen. So wird gerockt, getanzt, gemoscht und gepogt. Ganz so, wie es sein soll. Weiter vorne erspäht man den zu erwartenden Bierstand und eine kleine Grillbude mit den genannten Bratwürsten und Schwenkbraten. In der Mitte entfachen sich Bierzeltgarnituren, auf denen schwatzende Leute sitzen, die keine Lust haben das Tanzbein zu schwingen. Wir gehen erst einmal zum Bierstand, da unsere Kehlen von der Wanderei etwas trocken geworden sind. “Die erste Runde geht auf mich” teile ich meinen Leuten mit, die glücklich über meine Spendierfreude sind. “Drei Bier und eine Milch” bestelle ich, was mir direkt das Gelächter meiner Leute einbringt und einen vernichtenden Blick meines Bruders. “Spaß. Vier Bier” setze ich hinterher und freue mich grinsend auf den kühlen Gerstensaft vom Fass. Runde um Runde werden wir lustiger und erzählen uns, inspiriert durch die anwesenden Gäste, den neuesten Tratsch. “Kevin ist beim Klauen erwischt worden”, meint Achim, “der Vollidiot hat nicht bemerkt, dass die ganze Zeit in Hausdetektiv in seiner Nähe war”. “Sandra hat schon fast das halbe Dorf durch, die alte Dorfmatratze” erzählt Julius uns belustigt und auch etwas erregt. Was wohl daran liegt, das besagte Sandra uns gegenüber sitzt. Bekleidet mit einem leichten Sommerkleid unter dem man zwar keine Unterwäsche ausmachen kann, aber dafür sonst alles, wofür man ohne Bedenken Eintritt zahlen würde. Geschichten und Anekdoten werden ebenso erzählt, wie diverse Klassiker. Wie fast immer an dieser Stelle erzählt mein Bruder seine Lieblingsstory von mir. Es geht hier um einen Abend oder besser gesagt, eine Nacht. In dieser Nacht, in der alles passieren konnte, ist etwas peinliches passiert. Ich war zuvor mit ein paar Kollegen ein paar Bierchen trinken. Dies wurde nach und nach zu einem Saufgelage. Endlich (wenn auch ohne Erinnerung wie) zu Hause angekommen, wechselte der Alkohol von meinem Magen ins Waschbecken der Küche meiner Eltern über. Leider floss er nicht ab, da sich auch noch andere erbrochene Dinge hinzugesellt hatten. So blieb mir nichts anderes übrig, als  mit der Suppenkelle die Spüle zu leeren und deren Inhalt wiederum in den Müll zu verfrachten. Soweit so gut. Leider hatte mein lieber Bruder die ganze Aktion mitbekommen und sich köstlich dabei amüsiert. Seitdem gehört die Geschichte zu seinem Repertoire und wird mindestens zweimal die Woche erzählt. Meine anfänglichen (naiven) Hoffnungen, dass die Geschichte irgendwann keiner mehr hören wolle, stellten sich als Wunschdenken heraus. Vielmehr entwickelte sie sich zu einem Klassiker, der immer gut ankam. Selbst schuld.

Egal. Mein Bruder erzählt die Geschichte und erntet damit seinen Ruhm für heute Abend. Ich entscheide mich währenddessen, etwas Rum zu ernten und bestelle mir einen solchen. Erstens wegen dem Wortspiel und zweitens, weil mir Kasim einfach nicht aus dem Kopf gehen will. Mittlerweile hat mein Hirn schließlich ein wenig Zeit zum Verarbeiten gehabt. Und anstatt es als alkoholgetriebene Halluzination zu verbuchen, will mein Hirn dem Gesehenen Glauben schenken.  Aber das macht absolut keinen Sinn. Tot ist tot. Und warum zur Hölle, sollte mir ein Toter beim Pissen zuschauen und dumme Sprüche reißen? Warum? Zumal ich zu seinen Lebzeiten nichts mit ihm zu tun hatte. Ich grübele weiter vor mich hin, als ich plötzlich eine weibliche Stimme neben mir höre. “Hi” haucht Sandra, die schon etwas angetrunken ist. “Hi” gebe ich zurück und mustere sie von oben bis unten. Lange blonde Haare umrahmen ein Gesicht, welches mich etwas an Kim Basinger erinnert. Diese fallen auf die Schultern, an denen rosa Spaghettiträger den Beginn ihres Kleides bilden. Das Kleid fällt über zwei freche kleine, aber feste Brüste. Dann weiter über einen flachen Bauch und einen atemberaubenden Po. An den Knien endet es und gibt somit den Blick auf ein tolles Paar Beine frei. Ich frage mich, wie so ein hübsches Ding sich so vielen (teilweise schmierigen, wenn man den Geschichten glauben schenken kann) Männern hingeben kann. “Möchtest du was zu trinken” frage ich sie, während ich sie angrinse. “Einen Sekt” gibt sie, ebenfalls grinsend, zurück. Ich bestelle ein Bier und einen Sekt und versuche, meine Leute mit Blicken und fahrigen Gesten zu verscheuchen. Anscheinend gönnen sie mir die liebe Sandra, denn sie verschwinden nach einiger Zeit. Wir hingegen verfallen ins Plaudern. Sie fragt mich nach meinem Job und lächelt amüsiert, als ich ihr erzähle, dass ich im Reisebüro arbeite. Ich versichere ihr allerdings, dass dies nichts mit meiner sexuellen Gesinnung zu tun hat, worauf sie schelmisch grinst. Sie arbeite als Krankenschwester, erzählt sie mir. Das löst direkt ein höchst erotisches Kopfkino in mir aus. Sie fragt mich, ob ich denn eine Freundin habe, was ich verneine. “Oh” meint sie “dann haben wir ja beide niemanden” und zwinkert mir zu. So vergehen Bier um Bier und Sekt um Sekt, bis ich mir schließlich ein Herz und ihr an den Hintern fasse. Die erwartete negative Reaktion bleibt zugunsten eines Lächelns aus und ich ziehe sie an der Hand in den Wald. Sie kommt mit. Abgelegen genug für mich bleibe ich stehen und sehe ihr lange in die Augen. Sie erwidert meinen Blick und ich küsse sie. Meine Hände gleiten an ihren Hals und weiter zu ihren Brüsten, wo sie verweilen. Ich massiere die Busen sanft, was ihr ein gurrendes Geräusch aus der Kehle entlockt. Ich lasse meine Hände weiter auf Erkundungstour gehen und meine Zunge ebenso. Schließlich fasse ich all meinen Mut zusammen und streife ihr das Kleid ab. Sie verhindert es nicht und so fällt das Kleid zu Boden… unter dem Gejohle meiner Freunde und meines Bruders. Anscheinend ist Sandra doch kein so leichtes und abgebrühtes Ding, wie man sich erzählt. Sie läuft rot an, streift sich schnell ihr Kleid über und rennt dann weg. Aber nicht ohne mir einen Blick zu schenken, der  mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Diesen Blick gebe ich an meine Leute weiter und das Lachen verstummt. “Dafür saufe ich den Rest des Abends umsonst, ihr Assis”, sage ich und gehe zum Bierstand. Meine Wut und mein Ärger weichen jedoch sehr schnell der Angst, als ich Kasim im Wald zu sehen glaube, der mich aus gelben Augen anstarrt. Ich schließe die Augen, öffne sie wieder und er ist verschwunden. Nun brauche ich erst recht das ein oder andere Bier und vielleicht auch noch den ein oder anderen Schnaps. Also auf Richtung Bar. “So Leute” sage ich, als wir ankommen, “wie wollt ihr das wieder gut machen?”. “Vielleicht treffen wir ja Achims Mutter noch”, meint Julius. Ein trockenes “Fick dich ins Knie” kommt von Achim. Ralf grinst und mein Bruder sieht mich komisch an. Fast so, als würde es ihm leid tun, dass mir die Tour vermasselt wurde. Da ich nicht nachtragend bin und auch meinen Spaß mit Sandra hatte (leider ohne Happy End) beschließe ich, mich endgültig dem Alkohol hinzugeben. Dieser lenkt mich zwar nicht ganz so viel von Kasim ab, wie Sandra, aber es genügte. Feuchtfröhlich geht der Abend weiter und langsam seinem Ende zu.

Wir beschließen, noch eine letzte Runde durch unsere Kehlen rinnen zu lassen. Achim geht diese an den Bierstand für uns erstehen.

Beim letzten Bier philosophieren wir über unser Leben. “Wo siehst Du Dich in 5 Jahren”, frage ich Ralf unvermittelt. Er überlegt kurz und gibt dann zurück: “Hoffentlich nicht mehr in Jane”. Alle lachen und dann beginnt eine Diskussion, die Ralf darin bestärken soll, Jane los zu werden.

Achim, der mit steigendem Alkoholpegel noch mehr dem Alkohol und minder dem Schlaf frönt, beschließt noch eine Runde zu organisieren. Leider ohne Erfolg. Es ist offiziell Feierabend oder Schicht im Schacht, wenn wir es beim saarländischen belassen. Kurz beraten wir uns. Uns stehen mehrere Optionen zur Wahl: nach Saarlouis fahren, leider hat niemand  mehr Geld für Taxi und / oder Kneipenbesuche. Wir könnte auch in den Ort und schauen, was dort noch machbar ist. Leider sind wir zu faul, weiter als nötig zu laufen. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns für die dritte Möglichkeite: per pedes zu Achim, der immer einen vor Bier strotzenden Kühlschrank zu bieten hat. Und vielleicht ist seine Mutter ja auch da. Los geht es.

 

 

Sieben (nicht der Film, aber besser!!!)

Hallo Leute,

wir haben länger nichts mehr von uns verlauten lassen. Ich darf an dieser Stelle allen Lesern ein tolles und krötisches neues Jahr wünschen, in welches Ihr hoffentlich gebührend gestartet seid. Außerdem bedankt sich das Krötor Team für über 6000 Klicks in 2017. Großes Kino für einen kleinen Blog.

Auf einen Jahresrückblick verzichten wir, obwohl dieser bestimmt genial werden würde. Aber da er durch den unglaublich(en) (unproduktiven) U. geschrieben werden würde, wird es vermutlich eher einen Rückblick auf das Jahr geben, in dem der Berliner Flughafen eröffnet wird. Aber dafür darf ich Euch etwas Neues präsentieren. Das Team hat sich viele Gedanken gemacht, um immer wieder seine Leser zu begeistern. Nach langem Brainstorming und rauchenden Köpfen, haben wir nun DIE Idee. Ein Format in Form (welch Wortspiel) eines Interviews. Aber kein normales, denn Krötor ist nicht normal. Ab nun werden regelmäßig SIEBEN DÄMLICHE FRAGEN AN illustre Persönlichkeiten gestellt. Diese werden dann (hoffentlich lustig und unterhaltsam) beantwortet. Und das Ergebnis lest Ihr dann auf diesem Blog.

Ich will nicht noch weiter um den heißen Brei herumreden, daher legen wir los. Den Anfang macht niemand geringers als: MARKUS HEITZ (nerdgasmus beim Schreiben des Namens ;)) Wir reden hier also von jemandem, den man nicht näher vorstellen müsste, ich tue es dennoch. Aber nicht in Form von kopierten Wikipedia Texten, sondern mit meinen Worten. Das erste Buch, das ich von Markus las, war AERA. Dieses Werk hat mich so begeistert, dass ich nach und nach sehr viele Bücher von Herrn Heitz las. Ich mag seine Ideen, seinen Witz und seinen Stil. Er ist sowohl in der Phantstik zu Hause, als auch in anderen Genres. Ich würde mich also als Fan des mehrfachen Preisträgers (u.a. gefühlte 100000 Mal den deutschen Phantastik Preis,…) bezeichnen. Auf zwei Lesungen erlebte ich ihn auch live und wurde sehr gut unterhalten. Nebenbei erfuhr ich, dass er auch die Band LAMBDA produziert, welche mich mit ihren spährischen Klängen erfreut. Berühmt wurde Markus mit DIE ZWERGE, einem Bestseller den es auch als Brettspiel, Computerspiel und „Musical“ zu erleben gibt. Für mich persönlich war das Buch kein Highlight. Das lag jedoch nicht an Herrn Heitz, sondern daran, dass ich nicht so auf klassische Fantasy stehe. Das Buch an sich ist top.

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Später traf ich Markus auf einem sehr gelungenen Schreibkurs. Dort erfuhr ich ein geniales Wochenende mit Sonja Rüther, Nicole Zöllner, Sina Berwald, Tom Finn, Boris Koch und Markus Heitz. Dieser Kurs hat meine Liebe für das Schreiben und Bloggen wieder neu entfacht:) Jetzt habe ich doch wieder ziemlich viel geschrieben. Also: Vorhang auf für SIEBEN DÄMLICHE FRAGEN AN Markus Heitz (Mahet):

 

> 1. Warum steht man im Supermarkt immer an der falschen Kasse?
+++Mahet: Ich nie. Denn ich warte immer mit einem Lächeln und weiß, dass ich die verlorene Zeit mit Geschwindigkeitsübertretungen auf dem Nachhauseweg rausholen kann. Das nennt sich „aggressives Zeitmanagement“. Habe ich gerade erfunden.

> 2. Wer würde gewinnen, wenn Robocop gegen den Terminator kämpfen würde?
+++Mahet: Eindeutig die Feinde des Gewinners, denn: Der Verlierer ist tot, und der Gewinner SO zerstört, dass dieser wiederum leicht zu vernichten ist. Außerdem müsste man beim Terminator zuerst die Frage des Modells klären, sonst kann ich darauf nicht adäquat antworten, was das direkte Duell angeht.

> 3. Was war zuerst da: Huhn oder Ei?
+++Mahet: Der Erfinder von beidem. Also das Rad.

> 4. Warum hat sich das Wort „sitt“ – ist das Gegenteil von durstig – nie durchgesetzt?
+++Mahet: Es hat keine Lobby. Alles, was erfolglos ist, hat keine Lobby. So einfach ist das. Wie Esperanto, sozusagen der Vorläufer des „sitt“. Oder das fast-alkoholfreie Bier mit 10%.

> 5. Doctor who?
+++Mahet: Den kenne ich! Das ist der coole chinesische Arzt um die Ecke!

> 6. Warum fängt jeder Satz bei Dir mit einem Großbuchstaben an?
+++Mahet: Nicht nach einem Semikolon – HA! Ja, ich weiß, Klugscheißer. Keiner mag Klugscheißer. Wissen belastet.

7. Wärst Du nicht erfolgreiche Mary Kay Vertreterin geworden, hättest Du Dir dann vorstellen können, Schriftsteller zu werden?
+++Mahet: Ich dachte sehr lange drüber nach, ob ich nicht lieber Hersteller von Fertigbetonstiefeln werde, weil es immer was zu versenken gibt, oder eben auch Händler für entsorgte Blinddärme, um sie Operierten wieder anzudrehen, denen man sie rausgerissen hatte. Aggressiver Organhandel mit offiziell ausgebauten Teilen ist nicht verboten, und wir wissen, dass der Blinddarm wichtig für unser Immunsystem ist. Aber Schriftsteller – ich meine, irgendwann ist die Schrift halt hingestellt. Das hat kein Nachschubpotential. Im Gegensatz zum Blinddarm-Geschäft. Und darüber rutschte ich in die Vertreterbranche. Heute habe ich zehn gut laufende Vertriebsorganisationen. Auch für Schriftsteller, Schriftschieber, Schriftklopfer und Schreibschrifter.

NOCHMAL FETTEN DANK AN MARKUS. Ich hab mich weggelacht.

Wer wird wohl die/der/es nächste sein?

Stay tuned und rockt das Jahr!!

 

Rezension Aetherhertz (Autorin Anja Bagus)

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Hallo Leute,

mit der heutigen Rezension begeben wir uns in die stimmige Welt des Steampunks. Wir befinden uns im schönen Baden-Baden und schreiben das Jahr 1910. Aether steigt aus den Gewässern auf und verändert die Menschen. Diese Veränderten werden ab nun Verdorbene genannt und von der Gesellschaft gemieden. Doofer Äther, möchte man nun denken. Jedoch dient diese neue Substanz auch bestens als Treibstoff für alle möglichen Gerätschaften und Vehikel, und als Waffe macht er sich auch nützlich.

In dieser veränderten Vergangenheit lebt unsere Protagonisten Annabelle Rosenherz. Das junge, intelligente und hübsche Fräulein hat es nicht leicht, denn ihr geliebter Vater ist verschwunden und soll für tot erklärt werden. Es gibt nun einiges an Hick Hack über das beträchtliche Erbe. Außerdem hat die Arme auch einen Makel, sie ist eine Verdorbene. Dazu im Buch aber mehr.

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Signiert ist es auch 🙂

Im Zuge der Erbangelegenheiten, lernt sie die Familie Falkenberg kennen. Die Söhne Paul und Friedrich, sowie deren Vater Peter.

Friedrich ist ein Blitzmann, er bekämpft Verdorbene (wenn nötig) und schützt so die Allgemeinheit. Er ist ein Draufgänger mit Herz und hat, durch ein Mißverständnis, eine Verabredung mit Fräulein Rosenherz, die jedoch in der „Friendzone“ endet.

Paul hingegen tut es dem Fräulein schon mehr an. Er ist eine Leseratte, ein Denker und auch ein Erfinder, der wundervolle mechanische kleine Lebewesen – mit Aether – zum Erwachen bringt. Er ist auf Annabelles „Wellenlänge“ und die beiden werden sich noch nahe kommen.

Annabelle kommt einer Mordserie auf die Spur, die mit Pralinen, Ganoven und verrückten machtgierigen Personen zu tun hat und das ganze Land bedrohen könnte. Zusammen mit Paul, Friedrich und weiteren Personen, macht sie sich daran, den Fall aufzuklären. Dabei wird es teilweise sehr gefährlich für unsere Helden und Spannung ist  garantiert.

Anja Bagus ist eine sehr nette und sympathische Autorin. Genau aus diesem Grund wollte ich einmal ein Buch von ihr lesen. Wir hatten auf der FaRK eine gemeinsame Lesung, welche sehr lustig war und seitdem spukte es in meinem Kopf herum, ein Exemplar von Aetherhetz meines zu nennen und zu rezensieren.

Ich bin sehr schnell in diese tolle und atmosphärische Welt eingedrungen. Man spürt, dass Anja ein absoluter Steampunk Fan ist, da die Geschichte wirklich stimmig und auch romantisch ist. Romantik ist normalerweise nicht so ganz mein Ding, gehört aber in meinen Augen zu Steampunk dazu. Anja hat es sehr schön in Szene gesetzt. Man fühlt sich schnell wohl und ist dann mittendrin.

Neben dem schönen Baden-Baden, lernen wir auch den finsteren Schwarzwald kennen, der unseren Helden einiges abverlangen wird. Auch hier haben wir eine tolle Stimmung und eine zum Greifen dichte Atmosphäre des Unbehagens. Toll geschrieben!

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Ich finde Anjas Schreibweise sehr klar, deutlich und verständlich. Es gefiel mir sehr gut, mich von ihr durch die Geschichte leiten zu lassen und diese tolle Welt erleben zu dürfen. Der Roman ist eine Mischung aus Steampunk (was sonst), Romantik, Krimi und Thriller. Eine Mischung, die mir sehr zusagt.

Manche Szenen sind wirklich überwältigend geschrieben. Da kam ich mir teilweise vor, wie im Kino. Solche Szenen sollte man viel öfter lesen dürfen, denn sie machen ein Buch aus.

Kleinere Abzüge bringen die Perspektivenwechsel in den Kapiteln, die Anja gerne mal vollzieht und die Tatsache, dass manche Nebencharaktere sehr stereotypisch sind. Diese marginalen „Kratzer“ machen dem Buch jedoch nichts aus.

Mein Fazit: Wer in eine tolle und stimmige Welt eintauchen möchte, ist hier richtig. Wer gerne Krimis liest und sich ein bisschen für Liebe und Romantik erwärmen kann, ist hier richtig. Wer auf gute deutsche Autoren steht, ist hier richtig. Wer einfach nur gerne liest und eine tolle Zeit haben möchte, ist hier richtig. Außerdem erlebt der Leser die Entstehung des Amtes für Aetherangelegenheiten!!!

 

Stay tuned

 

Kröten verboten Teil 2

Unbenannt

Hallo Leute,

es passieren gute und schlechte Dinge im Leben. Mein Autorenleben hat schon diverse Höhepunkte erlebt. Z.B.: Diesen Blog, den Ihr gerade lest und der sehr gut frequentiert ist, was uns wiederum stolz macht. Oder meine Lesungen auf der FaRK, die sehr viel Spaß gemacht haben und, bei denen ich positives feedback, für meine Kurzgeschichten, bekam. Oder die Tatsache, dass ich eine Kurzgeschichte für eine Anthologie geschrieben habe, die nächstes Jahr (vor. zur Buchmesse Leipzig) auf den Markt kommt. Neben diesen schönen Dingen gibt es aber auch Schattenseiten. Wir alle erinnern uns an meinen gescheiterten Versuch, Redakteur zu werden. Für alle, die Erinnerungsbedarf haben, hier wird Ihnen geholfen 🙂

Nun ergab es sich, dass ich an einem Schreibwettbewerb teilnahm. Es ging an sich um das Thema „Reise“. Man hatte die Auswahl, aus mehreren Kategorien. So konnte man Romane einreichen, Gedichte, Kurzgeschichten und mehr. Ich entschied mich für eine Kurzgeschichte. Danach outete man sich als Amateur oder Profi. Nach Rücksprache mit den Veranstaltern, fiel ich unter Profi. Nun gut. Der Wettbewerb versprach, dass es in jeder Kategorie einen ersten, zweiten und dritten Platz gäbe. Jeweils für Amateure und Profis. Ich reichte also meine (etwas düstere) Geschichte ein und harrte der Dinge. Ende September war es dann soweit, die Sieger wurden bekannt gegeben. Ich hatte natürlich nur Augen für die Kategorie Kurzgeschichten. Es gab drei Gewinner bei Amateuren und einer bei Profis. EINER????? Da sollten doch drei sein. Oder hat sich nur einer gemeldet? Ich war etwas verwirrt, und wie immer, stellte ich die Beteiligten zur Rede. Daraus ergab sich folgende Konversation (die Überschrift „ICH“ ist, was ich schrieb und das „DIE“ sind die Antworten):

ICH
Guten Tag, bei der Durchsicht der Gewinner, des diesjährigen Wettbewerbes, fiel mit auf, dass unter Kurzgeschichte Profi Autor, nur ein Name steht. Sollten das nicht auch drei sein? Ich frage speziell deshalb, weil ich auch eine Geschichte eingereicht habe

ICH
Hallo nochmal, können Sie mir sagen, woran es liegt, dass dort nur ein Gewinner ist, statt mindestens zwei (wenn ich der einzige war, der noch eine Kurzgeschichte eingereicht hat)? Lieben Dank für eine kurze Information, denn das bewegt mich gerade sehr
DIE
Lieber Herr Slonko, von der Jury werden alle eingesandten und vorab anomynisierten Beiträge unabhängig ob Amateur- oder Profistatus bewertet. Es entsteht dabei eine Rangliste in Form einer Shortlist aus je 10 Beiträgen der einzelnen Kategorien, aus der dann die Preisträger der einzelnen Kategorien in einer zweiten Juryrunde ausgewählt werden. In der Kategorie „Kurzgeschichte“ gab es beim aktuellen Wettbewerb drei Preisträger aus dem Amateurbereich und einen Preisträger aus dem Profibereich. Alle anderen Beiträge in der Kategorie „Kurzgeschichte“ aus dem Profibereich haben es nicht auf die Shortlist geschaft. Es tut uns leid für Sie, dass Ihr Beitrag nicht unter den ausgewählten Einsendungen ist. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude beim Schreiben und viel Erfolg.
ICH
Für mich (Sascha Leidinger) macht das wenig Sinn. Wenn die Shortlist 10 Personen umfasst, dann müssen doch auch 10 Personen darauf sein. Einfaches Beispiel: Ich und noch eine Person senden Kurzgeschichten ein. Shortlist sind 10 Personen. Davon in jedem Fall 2 (ich und die andere) weil es nicht mehr Auswahl gibt. Damit wären wir auch beide Preisträger. Alles andere wäre sehr unfair. Sie können doch keine Autoren dafür bestrafen, dass sich nicht genügend Leute angemeldet haben. Das ist sinnlos. Wenn es drei Plätze gibt uns sich nur drei Leute anmelden, so müssen diese drei auch die Plätze besetzen. Wie kann das sein?
Wenn es die Einteilung Profi und Amateuer gibt, so sollte es auch die Shortlist für Profi und Amateur geben. Ansonsten wäre dies in meinen Augen nicht fair
DIE
Lieber Herr Leidinger, das Auswahlverfahren ist fair. Unter den vielen Einsendungen werden die 10 Besten im ersten Schritt ausgewählt und daraus im nächsten Schritt die Preisträger für Amateur und Profi festgelegt. Wir haben die Unterscheidung nach Amateur und Profi festgelegt, um auch den Amateuren eine faire Chance zu geben. Unter den 10 besten in der Kategorie „Kurzgeschichte“ waren 9 Amateure und ein Profi. Wir verstehen Ihre Enttäuschung und bitten Sie um Verständnis für das Vorgehen der Jury. Mit besten Grüßen
ICH
Natürlich kann ich nichts daran ändern. Aber sie geben doch den Amateuren schon deshalb eine faire Chance, weil es die Kategorie Amateur gibt. Das reicht doch. Auf der Preisverteilung sieht es nun so aus, als hätte sich nur ein Profi gemeldet. Was unschön aussieht. Und mir wurde die Chance genommen, mit gleichwertigen Autoren verglichen zu werden, das es ja eine extra Kategorie gibt.
Auszug aus den AGB des Wettbewerbes (von mir an Die)
Preisverleihung: Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen eines feierlichen Festaktes, dessen Ort und Termin rechtzeitig bekannt gegeben wird. In allen Kategorien werden, getrennt nach Amateur- und Profi-Autoren, Preise der Plätze 1 bis 3 verliehen. Vier bis sechs Wochen vor der Preisverleihung werden die Gewinner der ersten drei Plätze der einzelnen Kategorien als Gruppe auf der Homepage, ohne Nennung der Reihenfolge der Plätze, bekannt gegeben. Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung werden die Sieger der einzelnen Kategorien in der Reihenfolge Platz 3, 2 und 1 vor dem Publikum gekürt. Die Auswahl der Prämierten erfolgt durch die Jury und den Veranstalter. Auf der Veranstaltung wird zusätzlich ein Sonderpreis unter den jeweils 5 besten Einsendungen je Kategorie verliehen. Wir steben an, jeweils die besten drei Beträge je Kategorie mit Preisgeldern zu prämieren, wenn diese durch Sponsoren abgedeckt werden können. Eine ideelle Belohnung jedoch ist garantiert. Bei der geplanten Preisverleihung werden die Gewinner viel Spaß haben, gemeinsam mit prominenten Bühnen-Performern auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten.
Obiges ist ein Auszug aus Ihren AGB. Daraus geht klar hervor, dass es 3 Sieger geben muss
DIE
Lieber Herr Leidinger, die Jury hat aus allen Einsendungen nur einen Beitrag unter dem Profiautoren für preiswürdig eingestuft und daher wird auch kein zweiter oder dritter Preis vergeben werden. Für uns ist die Bewertung durch die unabhängige Jury bindend und wird von uns auch nicht in Frage gestellt. Schauen Sie sich andere Schreibwettbewerbe an, bei denen werden oftmals keine 1. Preise oder Plätze zweifach vergeben. Dies wird immer von der unabhängigen Jury festgelegt und kann von den Organisatoren nicht beeinflusst werden. Wir bitten Sie die Entscheidung der Jury zu akzeptieren und wünschen Ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg beim Schreiben. Mit herzlichen Grüßen
ICH
Mit solchen Niederlagen wird Freude und Erfolg beim Schreiben im Keim erstickt

 

Wie seht ihr das, liebe Krötmunity???

Ich persönlich bin enttäuscht. Meine Geschichte kam nicht gut an. Das ist für mich OK. Geschmäcker sind verschieden, aber diese Art und Weise ist nicht fair, oder? Übrigens, die einzige Profi Autorin, die gewann, ist aus Berlin. Genau wie der Veranstalter des Wettbewerbes.

Und nun für alle noch die von mir eingereichte Geschichte:

Passagier des Lebens

Meine Reise begann mit einem Schrei, der das erste Mal Luft in meine Lungen trieb. Ich atmete. Gelöst von meinem Mutterschiff. Ich war nun kein komplett Mitreisender mehr, sondern ein Reisender. Sicherlich reiste ich noch nicht alleine. Welcher Reiseleiter würde seine Gäste direkt am Anfang der Reise alleine lassen. Ohne Informationen über Möglichkeiten. Informationen über Gefahren. Informationen über den Reiseverlauf.

So reiste ich also die erste Zeit mit Begleitung. Der Beginn der Reise ist schon sehr lange her. Also kann ich mich nicht mehr an alles erinnern. Jedoch weiß ich, dass meine Reiseleitung alles in ihrer Macht stehende tat, um mir meine Reise so angenehm, wie möglich zu gestalten. Ich bekam Kost und Logis, sowie Kleidung und alle weiteren anfangs benötigten Dinge umsonst. Die Reise ging nicht von mir aus, warum sollte ich also dafür zahlen. Der Anfang der Reise war behütet. Meine Reiseleitung immer darum bemüht, mich von den unschönen und gefährlichen Dingen der Reise fern zu halten. So lernte ich Stück für Stück, alleine zu reisen. Dies war anfangs schwer, konnte ich mich doch nicht artikulieren. Ich musste die Sprache meiner Reiseziele erst erlernen. Zum Glück halfen meine Reiseleitung und ältere Mitreisende mir sehr dabei. Auch die Fortbewegung war anders, als ich es gewohnt war. Im Mutterschiff musste ich mich nicht viel bewegen und wenn, so tat ich das instinktiv. Während der Reise jedoch, gab es andere Arten der Fortbewegung. Anfangs schleifte ich mich durch die Gegend, wie eine Robbe. Danach wurde es immer aufrechter, bis ich mich alleine zurechtfand, zumindest in Hinsicht Fortbewegung. Natürlich wurde alles von der Reiseleitung unterstützt.

So begann ich mehr und mehr, meine Reise wahrzunehmen und allmählich kamen die Zeiten, an dich ich mich erinnere. Ich bekam ein paar Jahre später einen Reisegefährten. Ihm erging es ähnlich wie mir und so konnte ich erahnen, wie der Beginn meiner Reise war. Ich beschloss, obwohl ich dies natürlich nicht so perfekt beherrschte, wie meine Reiseleitung, ihm bei seiner Reise behilflich zu sein. Das war schön. Ich konnte meine Erfahrungen weitergeben und die Ergebnisse direkt sehen. Mein Reisegefährte und ich wurden unzertrennlich und langsam lernte auch er die grundlegenden Reisekentnisse. So beschlossen wir wortlos, für eine Weile gemeinsam zu reisen.

Schnell merkten wir, dass es viel mehr Reiseleitungen gab als die, die uns bisher bekannt waren. Manche waren nett und versuchten uns eine schöne Zeit zu bereiten. Andere wiederum hatten auf ihrer eigenen Reise wohl Probleme. Anders konnten wir uns ihr Verhalten nicht erklären. Es kamen auch immer mehr und mehr Mitreisende hinzu. Nach und nach lernte ich wichtige Dinge: Die Reiseleitung, egal welche, war niemals perfekt. Ich dachte anfangs, dass die Reiseleitungen (speziell meine) alles wüsste und konnte, aber dem war nicht so. Es war vielmehr, als suchten sie ihre eigene Reiseleitung, die es nicht mehr gab. Manche gaben sich viel Mühe, dies zu verbergen. Meistens ohne Erfolg. Nur wenige schafften es tatsächlich ihre eigene Reiseleitung zu sein.

Auch meine Mitreisenden, über die ich mich anfangs freute, stellten sich nicht alle als angenehm heraus. So beschloss ich, nicht allen zu trauen und mir meine Mitreisenden ab nun selbst auszusuchen. Das war nicht einfach, da wir uns immer wieder begegneten,  aber ich versuchte mein Bestes.

Ferner musste ich schmerzhaft lernen, dass eine Reise auch Gepäck bedeutete. Anfangs war es wenig Gepäck, das sich im Vergleich zu heute geradezu lächerlich darstellt. Aber das wusste ich damals nicht. Es war eben Gepäck. Es ging darum, mit den Mitreisenden klar zu kommen. Und darum, die immer lästiger werdenden Reiseleitungen zu akzeptieren. Und nach und nach wurden sie alle, selbst die, von denen ich es nie dachte, immer mehr zu Störfaktoren. Wie sollte ich meine Reise glücklich fortsetzen, wenn die Reiseleitung den Weg selbst nicht immer wusste. Natürlich hatte sie Erfahrung, aber auch diese kannte ihre Grenzen. Allmählich bildete ich mir ein, den Weg vielleicht besser zu kennen und reiste auch hiernach. So eckte ich mit vielen Reiseleitungen an und auch mit vielen Mitreisenden. Am liebsten wäre es mir gewesen, wenn jeder mich meine Reise alleine hätte fortsetzen lassen. Aber dem war nicht so. Jeder wusste einen Teil des Weges besser oder versuchte mich in eine gewisse Richtung zu treiben, dem Stand zu halten und seine eigene Route dabei beizubehalten war sehr schwierig. Ich versuchte es dennoch so gut es ging.

Also schaffte ich mir mein eigenes kleines Reisedomizil. In dieses ließ ich nur Mitreisende und Reiseleitungen, mit denen ich gern zu tun hatte. Das lief eine Weile sehr gut. Ich hatte einen ausgewählten Kreis an Gefährten um mich und fühlte mich wohl dabei. Es gab immer mal wieder Mitreisende die mich verletzten. Aber das stand ich so tapfer durch, wie es eben ging. Ich war kein aggressiver Reisegast und hielt mich nicht für den Reiseführer. So geriet ich oft in Situationen, die nicht eben einem Traumurlaub glichen. Aber das gehörte zur Reise dazu, wie mir meine Reiseleitungen und diverse Mitreisende versicherten. Ich hatte eine aufregende Reise die zwar nicht immer perfekt war, mir jedoch gefiel. Es war meine Reise. Bis es schlagartig zu einer Änderung der Route kam.

Es gab einen neuen Mitreisenden. Jemand, der alle bisherigen, sowie alle Reiseleitungen in den Schatten stellte. Ich wollte nur noch mit dieser Person reisen und tat es auch. So entfernte ich mich nach und nach von allen teuer gewordenen Mitreisenden und merkte es nicht einmal. Ich war mir sicher, dass die Reise nur noch mit dem Neuzugang weiter zu unternehmen war. Dieser Abschnitt verlief sehr gut. Dann kam jedoch ein Problem: meine Reiseroute musste sich wieder ändern. War ich bisher in meinem eigenen kleinen Domizil, so wurde nun von mir verlangt, dieses zu verlassen. Mein eigener Reiseleiter zu werden. Hatte ich in meinem Domizil viel Zeit für mich, so musste ich nun lernen ein Reiseleiter zu sein. Dies brachte eine andere Umgebung mit sich. Es brachte neue Mitreisende mit sich und auch neue Reiseleiter. Diese Situation brachte mich ins Schwanken. Hatte ich doch bisher eine schöne Reise gehabt, so musste ich nun mit neuen Mitreisenden und Reiseleitern klar kommen, die ich mir nicht selbst aussuchen konnte. So wurde das Wetter auf meiner Reise oft sehr schlecht. Der Himmel dunkel. Die Person, mit der ich am liebsten reiste, war am wenigsten an meiner Seite. Die Mitreisenden waren nicht böse zu mir, ich hatte dennoch Angst vor ihnen. Ich traute ihnen nicht und wollte sie auch nicht bei mir haben. Dies führte am Ende dazu, dass ich mich von meiner liebsten Mitreisenden Person trennte. Ich wusste, dass ich, egal wie weh es tat, die Reise alleine fortführen musste. Wenn ich das nicht tat, würde ich früher oder später Schiffbruch erleiden. Es war meine Reise und es war noch viel zu früh, um vor Anker zu gehen. Da es zu sehr schmerzte, von meiner wunschmitreisenden Person so selten begleitet zu werden beschloss ich, den Weg alleine weiter zu gehen.

Ich schloss mich wieder meiner alten Reisegruppe an und gab mein bestes, ein guter Reiseleiter zu werden. Von da an lief alles besser. Sicher waren noch dann und wann Wolken am Himmel, aber die Sonne schien immer durch. Oft strahlte sie auch. So beschloss ich, mein eigener Reiseleiter zu sein. Ich wollte der perfekte Reiseleiter sein. Leider ging ich zu verbissen an diese Aufgabe heran. So gefährdete ich meine Reise sehr, das merkte und wusste ich. Ich konnte jedoch nicht damit aufhören. Es begann als kleine Unwegsamkeit und steigerte sich zu einer Mauer, die das weitere Reisen verhinderte. Auch meine Mitreisenden konnten mir hier nicht helfen, weil sie mit dieser Route einfach nicht vertraut waren. Ich wusste weder ein noch aus.

An dieser Stelle fand ich einen weiteren Reisenden, der mir half. Er kannte sich mit der Route auch nicht aus, hatte aber eine Idee für eine alternative Route. Er beschrieb mir einen Weg, den ich gehen konnte. Berichtete von Reiseleitern, die meine aktuelle Route kannten und einen Ausweg wüssten. So beschloss ich mich an diese zu wenden und bekam Hilfe. Langsam wurde die Mauer niedriger und ich konnte darüber schauen. Dies kostete mich enorme Kraft und Anstrengung. Jedoch nicht so viel, wie immer wieder schmerzhaft gegen die Mauer zu rennen. Nach einiger Zeit war es soweit und ich konnte über die Mauer hinweg steigen und meine Reise fortsetzen. Gemeinsam mit meinem neuen Gefährten, der mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen war.

So reisten wir gemeinsam. Es war eine schöne Reise, da jeder Wege und Routen, Orte und Plätze kannte, die traumhaft waren. Diese besuchten wir immer wieder auf unserer Reise und genossen die gemeinsame Zeit.

Wir überlegten, uns ein gemeinsames Domizil zu schaffen. Dies sollte gewiss nicht das Ende der Reise sein, aber ein Heimathafen. Ein Ort, der der Ausgangspunkt für viele neue kleine Reisen sein sollte. Dies taten wir auch und es wurde wunderschön. Unser komplett eigenes Domizil. Hier erfuhren wir gegenseitige Liebe und Wärme. Hier gab es Halt und Probleme kamen auf den Tisch und wurden gelöst. Nach einiger Zeit dieser gemeinsamen Reise beschlossen wir, die Rolle der Reiseleiter für einen neuen Reisenden zu übernehmen.

Und so drehte sich das Rad der Zeit auch für ihn. Seine Reise begann und wir waren bei ihm. Wir planten seine anfängliche Reise so gut es ging. Standen ihm mit Rat und Tat zur Seite und waren immer für ihn da. Auch er würde bald Mitreisende haben und weitere Reiseleiter. Wir hofften sehr, dass wir ihm mit unseren Reisekenntnissen helfen könnten, damit er den richtigen Weg einschlägt, der dennoch sein eigener Weg ist. Wir wollten nicht seine komplette Route planen, sondern ihm die Anfänge erklären. Damit er die richtigen und wichtigen Informationen hat, die er für seine Reise benötigt. Es würde sicherlich schwer für uns werden, ihn irgendwann seine eigene Reise antreten zu lassen. Aber wir waren uns sicher, dass wir immer auf irgendeine Art und Weise seine Mitreisenden sein würden.

So kam es dann auch. Das Rad des Lebens drehte sich weiter und unser wohlbehüteter Mitreisender wurde immer mehr und mehr zum Reisenden und schließlich auch zum Reiseleiter. Wir waren stolz auf ihn, da er viel erreichte und kein allzu großes Gepäck bei sich trug. Zumindest wussten und ahnten wir nichts in dieser Hinsicht.

Und so ging auch unsere Reise weiter. Anfangs ließen wir uns treiben. Genossen die Zeit ohne die Reiseleitung für jemand anders zu übernehmen. Genossen die wiedergekehrte Freiheit, die wir hatten. Dann wurde uns jedoch langweilig. Wir versuchten also, gemeinsam einen neuen Weg zu gehen. Dies funktionierte jedoch nicht so gut, wie wir es uns erhofft hatten. Anscheinend hatten wir uns in der Rolle der Reiseleitung zu sehr verfangen. Die Rolle des Mitreisenden und der Zweisamkeit sträflich vernachlässigt. Wir fanden einfach keine gemeinsame Route.

Dann geschah es: mein, MEIN Reisegfährte fand einen anderen Mitreisenden besser. Nach all dieser Zeit. Ich konnte ihm keine Vorwürfe machen, denn er tat es nicht mit Absicht. Gefühle kennen kein rationales Denken. Dennoch tat es unendlich weh und diese Wunde würde nicht schnell verheilen, falls sie das je tat. Meine Reise geriet ins Wanken.

Ich versuchte andere Reisgefährten zu finden. Dies gelang mir auch. Manche waren für einen Kurztrip zu haben und andere für längere Reisen. Aber niemand war so, wie MEIN Reisegefährte. Der Himmel auf meiner Reise verdunkelte sich zusehends. Ich sah kein Licht mehr. Dachte nur an den verlorenen Gefährten und den glücklichen neuen Mitreisenden, den er nun hatte. Das vergiftete meine Gedanken und gefährdete meine Reise. Schließlich beschloss ich Dinge zu mir zu nehmen, die die Reise vereinfachen sollten. Dies stellte sich schnell als Fehler heraus, da es schlechte Dinge waren. Kurzfristig taten sie mir gut aber auf längere Sicht hin würden sie mir sehr schaden. Ich sah mich in einer Sackgasse, aus der ich nicht herauskam. Meine Reise, die letztlich doch gut gelaufen war schien am Ende. Ich wusste nicht mehr was ich tun sollte. Ich war zu kraftlos um wieder eine neue Route zu suchen. Zu kraftlos um andere Mitreisende und Reiseleiter um Hilfe zu bitten. Ich war einfach zu kraftlos für alles.

Das war bis jetzt. Jetzt habe ich die Kraft gefunden, die ich brauche. Die letzte Kraft, die ich habe. Dies ist die Kraft, meine Reise zu beenden. Es macht so keinen Sinn mehr. Ich werde nun die Segel streichen. Ich werde in meinem ehemaligen Domizil etwas tun, das mich auf eine neue Reise bringt. Oder diese für immer beendet. Ich weiß nicht was geschehen wird. Ich habe Angst. Große Angst. Aber ich weiß auch, dass ich diesen Schritt gehen muss. Es wird der letzte Schritt auf dieser Reise sein.

 

Stay tuned!

ES geht auch anders!… oder doch nicht?!?

entertainment.ie
Quelle: Entertainment.ie

ES (2017)

Die harten Fakten:

Erscheinungsjahr: 2017

Dauer: 135 min

Regisseur: Andrés Muschietti

Drehbuch: Gary Daubermann, Chase Palmer, Cary Fukunaga

Nach einem Buch von: Stephen King

Schauspieler:

Jaeden Lieberher (Bill Denbrough)

Sophia Lilli (Beverly Marsh)

Jeremy Ray Taylor (Ben Hanscom)

Finn Wolfhard (Richie Tozier)

Jack Grazer (Eddie Kaspbrak)

Chosen Jacobs (Mike Hanlon)

Wyatt Oleff (Stanley Uris)

Bill Skarsgård (Pennywise/Es)

Jackson Robert Scott (Georgie Denbrough)

Nicholas Hamilton (Henry Bowers)

Jake Sim (Belch Huggins)

Logan Thompson (Victor Criss)

Owen Teague (Patrick Hockstetter)

Stephen Bogaert (Al Marsh)

Megan Charpentier (Gretta Bowie)

Mollie Jane Atkinson (Sonia Kaspbrak)

Stuart Hughes (Officer Bowers)

Steven Williams (Leroy Hanlon)

Ari Cohen (Rabbi Uris)

Elizabeth Saunders (Mrs. Starret)

Joe Bostick (Mr. Keene)

Geoffrey Pounsett (Zack Denbrough)

Pip Dwyer (Sharon Denbrough)

Anthony Ulc (Metzger Joe)

Javier Botet (Hobo)

Tatum Lee (Judith)

Katie Lunman (Betty Ripsom)

Neil Crone (Chief Borton)

Sonia Gascón (Mrs. Ripsom)

Janet Porter (Mrs. Uris)

Moviepilot
Quelle: Moviepilot

Um was geht’s?

In einer kleinen Stadt… Derry, im US-Bundesstaat Maine, im Sommer 1989. Einem Sommer in dem alles passieren kann!

Derry wird jetzt seit gut 10 Monaten von einer Plage heimgesucht. Einer Plage die kleine Plagen verschwinden lässt! Kinder verschwinden auf nimmer wiedersehen. Auch der kleine Georgie Denbrough (Jackson Robert Scott) ist, an einem regnerischen Tag im Oktober 1988, verschwunden. Es scheint so, als hätte jeder die Suche nach ihm aufgegeben. Außer seinem älteren Bruder Bill Denbrough (Jaeden Lieberher). Dieser macht sich, mit einer Gruppe Kinder, oder nennen wir es besser Schicksalsgemeinschaft, in den Sommerferien, auf die Suche nach Georgi. Schicksalsgemeinschaft nenne ich es, da jeder seiner Freunde, auf seine Art, sein Bündel zu tragen hat, das ihn zum gesellschaftlichen Außenseiter stilisiert. Sophia Lilli (Beverly Marsh) genießt im zarten Alter von 13 Jahren schon den Ruf einer Schlampe, die schon mit mehreren Jungs rum gemacht hat. Obwohl ja Schlampen eher immer dazwischen sind als an der Seite außen… Ihr wirkliches Problem ist allerdings ihr Vater… der sich sehr für seine Tochter interessiert… zu sehr… Dann hätten wir Jeremy Ray Taylor (Ben Hanscom), gerade neu in die Stadt gezogen, kennt noch niemanden und hat deswegen noch keine Freunde. Ach ja und er ist fett und wird aufgrund seines Übergewichts gehänselt. Der kleine Finn Wolfhard (Richie Tozier) gehört ebenfalls zu der Gemeinschaft. Besitzer eines losen Mundwerks, mit seinen Witzen und den Spöttereien teilt er kräftig aus. Ungeachtet dessen, ob er die Erwiderungen vertragen kann. Diese fällt bei den großen Raudis seiner Schule jedoch eher nicht verbal und hoch eloquent verletzend, sondern eben nur verletzend aus. Körperlich… mit Schlägen… und Tritten… und Schlimmerem. Der vierte im Bunde ist Jack Grazer (Eddie Kaspbrak). Ein Opfer wie es im Buche steht. Klein, schmächtig und von seiner Mutter zu einem veritablen Hypochonder erzogen. Und als solcher sind Tabletten und sein Asthmaspray seine immerwährenden Begleiter. Die Gruppe wird vervollständigt durch Chosen Jacobs (Mike Hanlon) und Wyatt Oleff (Stanley Uris), deren Schwächen offensichtlich und klar auf der Hand liegen. Mike ist schwarz und Stanley ist Jude…. ECHT JETZT??? Tja, liebe Leserschaft, so war das damals wohl noch, in den guten alten 50igern, in denen die Kindheit der Gruppe in der Romanvorlage von King spielt. Heute evtl. auch noch in den Hillbilly Bundesstaaten im Süden der USA. Diese illustre Gruppe hilft also Bill, seines Zeichens übrigens ein leidenschaftlicher Stotterer, was wohl seine gesellschaftliche Schwäche ist, auf der Suche nach seinem Bruder. Immer darauf bedacht, nicht den örtlichen und sehr gewaltbereiten Schlägern, angeführt von Nicholas Hamilton (Henry Bowers), über den Weg zu laufen. Der einzige Lichtblick der Kinder ist der lustige tanzende Clown Pennywise, derwodaso viel Spaßmacht! Dieser selbst hat die Kinder zum Fressen gern, also alles gut! 😉 (Freie Interpretation der Handlung, Anm. der Redaktion)

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Quelle: Reddit

Fazit:

Der Film ist spitze! Neben den äußerst gut gemachten Schreckensmomenten, den vielen kleinen schreeeecklichen Details, wie der andauernde Speichelfluss von Pennywise… ähnlich einem Raubtier das kurz vor dem Verzehr seiner Beute steht oder dem ändern der Augenfarbe, von einem unnatürlichen und furchterregenden Gelb, in ein freundliches Blau, wenn es denn die Situation erfordert. Die Animationen sind auf dem neuesten Stand der Technik und kommen richtig gut rüber. Die Schauspieler sind sehr gut ausgewählt. Ich denke, von dem Kindercast wird uns in Zukunft noch der ein oder andere begegnen. Auch der Humor ist ausgezeichnet… so, dass es mindestens so viele Lacher wir Schreckszenen in diesem Film gibt.  #MUDDAWITZE 🙂

Und dann natürlich der sympathische Clown aus der Kanalisation von nebenan. Dieser wurde, mit Bill Skarsgård, perfekt besetzt! Ein ganz großer Mime, der Pennywise seinen Stempel aufgedrückt und damit neu geprägt hat. Ähnlich wie Heath Ledger seinerzeit den Joker.

Die kleinen Wehrmutstropfen, die ich ins Feld führe, sind die Hasenzähne von Pennywise… sieht stellenweise ein bisschen befremdlich aus… und auch den Kindercast muss ich, gerade eben noch von mir, für ihre schauspielerische Leistung gelobt, kritisieren. Zu perfekt von ihrem Aussehen – Styling, von ihrem Auftreten und ihrem Selbstbewusstsein. Man nimmt ihnen, aufgrund dieser Leichtigkeit, die Opferrolle nicht immer im Film ab. In der Fernsehverfilmung hat ein düsterer Schatten über dem Gemüt der Kinder gelegen.

Schaut Euch diesen Film an… genießt den Horror, genießt die Neuauflage des Meisterwerks von King!

Und wenn Euch der Film nicht gefällt dann liegt es an Euch!!!

Wenn er Euch enttäuscht dann liegt es an Euch!!!

… Genau wie es wohl an mir liegt, dass mich der Film enttäuscht hat… ja, richtig gehört!

Ich dachte bis jetzt, dass, wenn ein Film mir nicht gefällt, es an dem Film liegt.. klar!

Dieser Film hat mich in diesem Fall eines besseren belehrt! Ich habe vor Urzeiten, ungefähr zur gleichen Zeit, als Pennywise auf die Erde kam, den 2-teiligen Fernsehfilm gesehen. Begeistert von dieser Story habe ich mich, meines Zeichens langsamer Leser… seeeehr langsamer Leser, dann an das mordsdicke Buch gewagt. Ein gefühltes Jahrzehnt später habe ich dieses dann fertig „verschlungen“ und war aufgrund der dichteren Buchstory, im Gegensatz zum Film, noch begeisterter als ich es vorher schon war.

Ich liebte dieses Geschichte… die Kinder, die neben einem außerirdischen Killerclown mit den Tücken des Alltags klar kommen mussten. Den Ärger zu Hause, den Ärger der Pubertät und den Ärger mit den Raudis in der Schule. Die ersten Schwärmereien, das erste Verliebt sein, die Freundschaft und das Zusammenstehen, die Erkenntnis, dass man mit Freunden alles schaffen kann und all der ganze andere Scheiß den unser eins als Kind auch mit gemacht hat! …und meine Wenigkeit just zu dieser Zeit, als ich mit den Kids aus Derry, via Film und Buch, ihr schreckliches Abenteuer erlebte.

cinemablend
Quelle: Cinemablend

Also ging ich voller Vorfreude ins Kino… um genauer zu sein und meine Vorfreude zu präzisieren: Für mich DAS Filmereignis diesen Jahres – bekräftigt und gefüttert durch positive Beurteilungen im Vorfeld!

Und das auch eigentlich vollkommen zu Recht! …Und doch verließ ich das Kino dennoch enttäuscht. Diesen, zugegebener Maßen, mit den technischen Mitteln der damaligen Zeit weit unterlegen Fernsehzweiteiler empfinde ich als wesentlich atmosphärischer… den Horror und die Kinder in ihrem Handeln echter. Vielleicht liegt es auch schlichtweg daran, dass ich zu der damaligen Zeit eher in dem Alter der Kinder war… eventuell habe ich auch die Schrecken des Films und des Buchs anders aufgenommen als ich es heute tue… heute in dem gleichen Alter in dem jetzt die Erwachsenen Darstellern des kommenden 2ten Teils sind…

Ich könnte mir vorstellen, dass ES Neulinge, die im Nachhinein den Zweitweiler schauen – wozu ich unbedingt raten würde – ES genau anders herum beurteilen.

Also kann ich der Krötmunity nur sagen: Schaut Euch den Film an! Er ist echt Klasse! Aber für alle Nostalgiker, so wie ich es bin, seid nicht enttäuscht wenn die tollen Erinnerungen, die ihr evtl. mit dem Film und Eurer Kindheit verbindet, nicht wieder durch dieses Remake hoch kommen. Dazu schaut Euch hinter her einfach wieder die alte Version an oder lest das Buch, was ich jetzt machen werde. Diese Geschichte, die so viel mehr ist als Horrorroman. Da ich immer noch kein schnellerer Leser geworden bin, komm ich zum bloggen wohl erst wieder im Jahr 2029… aber das dürfte damit immer noch ein paar Jahre vor dem nächsten Beitrag vom unglaublichen U – das U steht für unzuverlässig TM – sein.

 

Bis dahin, Euer humoristischer Killer… Clown U.J.M.

Quelle Beitragsbild: wikipedia

 

…Sorry

Hallo Leute,

leider kam ich diese Woche nicht dazu, eine Kolumne zu schreiben. Bitte nicht böse sein, aber die Vorbereitungen zu meinen Lesungen auf der FaRK und diverse Rezensionen, die ich am Schreiben bin (wird es bald hier geben) haben dies nicht möglich gemacht.

Als Ausgleich gibt es eine Leseprobe von GELB, meiner aktuellen Novelle. Diese ist noch nicht erschienen und noch nicht fertig. Also auch noch nicht lektoriert, … ich bitte, dies zu verzeihen. Los geht es also. Viel Spaß und… STAY TUNED.

Ach so: Alle Namen in dieser Geschichte, sowie die Charaktere, sind natürlich frei erfunden:)

Gelb

 

KAPITEL 1: EIN SCHÖNER TAG

 

Bundesrepublik Deutschland

Saarland

Frühling 1998

Es ist ein schöner Tag, der den Übergang vom Frühling zum Sommer einläutet. Die Luft ist frisch und voller Energie. Die Pflanzen blühen schon seit einiger Zeit. Auch die Vögel und allerlei Insekten zeigen Präsenz. Es ist eine Zeit zum wohlfühlen. Man kann die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen. Ein T-Shirt und sogar eine kurze Hose reichen vollkommen aus, um sich dem Tag zu stellen. Und dieser Tag ist toll. Voller Vorfreude und Spaß.

Es ist ein Samstag. So ziemlich der beste Tag in der Woche. Noch besser ist dieser, wenn man am Abend etwas besonderes vor hat. Und so ist es für mich. An dieser Stelle sei ein wenig von mir verraten (META: spiele ich doch so ziemlich die Hauptrolle in dem, was gerade Ihre Augen beschäftigt und im besten Falle positive Reize in Ihrem Hirn hinterlässt).

Ich bin 19 Jahre alt, männlich und höre auf den Namen Sascha. Ja ich weiß, dass es ein Lied der Toten Hosen über diesen Namen gibt. Glauben Sie mir, dass habe ich schon oft gehört. Und ich weiß auch, dass der Name in manchen Ländern auch für Frauen und / oder Hunde genutzt wird. Aber leider kann ich den Namen nicht ändern. Das heißt, ich könnte es bestimmt irgendwie, aber ich spare mir meine Kraft lieber für andere Dinge auf. Ich habe eine Lehre als Reiseverkehrskaufmann (hier sparen wir uns jetzt auch die Witze) absolviert und arbeite im schönen Heusweiler, welches ca. 15 Autominuten von Reisach liegt. Und in Reisbach wohne ich. Genau genommen wohne ich noch bei meinen Eltern, habe jedoch in diesem elterlichen Wohnhaus eine Etage für mich. Nun fast. Mein Bruder, 15 Jahre alt und noch Schüler, hat auch ein Zimmer auf dieser Etage.

Es ist neun Uhr morgens und da ich gestern etwas über die Strenge geschlagen habe, ruhe ich mich noch aus. Ich liege im Bett, eingekuschelt in meine warme Decke und schaue Akte-X. Dabei genieße ich meinen Kaffee, der wohlig riecht und rauche eine Zigarette, deren blauer Duft sich in Richtung Zimmerdecke kräuselt. Die Folge plätschert vor sich hin (irgendwas mit Tunguska habe ich im Hinterkopf) aber ich bin nicht ganz bei der Sache. Ich überlege mir schon, wie es heute Abend wohl wird. Wir haben den 30. April und heute Abend ist “Hexennacht”. Wobei ich mich hier nicht auf das Gruseln freue, dass diese Walpurgisnacht für einige mit sich bringt, sondern viel mehr auf meine Freunde, Frauen und viel Alkohol. Ich beschließe, von Akte-X zu leichterer Kost zu schalten und stelle den Kanal für MTV ein. “Come as you are” raunt Kurt Cobain durch den Röhrenapparat in mein Ohr und er hat recht. Warum sollte ich mich verstellen und mir vormachen, dass ein Partysamstag mit Kaffee beginnen soll. Ich meine, ich liebe Kaffee. Aber es gibt auch besseres. Ich gehe also zum Kühlschrank und genehmige mir mein erstes Bier für heute. Da die Zeit des letzten Alkoholgenusses noch nicht allzu lange her ist, spüre ich bald wieder die wohlige Vertrautheit des leichten benebelt seins. Der Gerstensaft rinnt kühl und frisch meine Kehle hinunter. Herrlich. Ich genieße und rauche. Kurt wird abgelöst von Aqua, die mehr durch das Äußere der Sängerin (wenn man das so nennen kann) überzeugen, als durch musikalische Leistung. Ich entschließe mich daher, lieber den Vorspann von Silent Hill 2 zu starten. Der Titelbildschirm dieses genialen Spiels verändert sich nämlich nach jedem durchspielen. Da ich alle Varianten durch habe, genieße ich die High End Version mit viel Musik und Clips. Das schaue ich mir immer sehr gerne an. Jedoch ist mir nun auch nach ein wenig Gesellschaft. Ich ziehe mir eine Jogginghose und ein T-Shirt über und gehe den Flur entlang, zum Zimmer meines Bruders. Der Dielenboden knarrt, was wahrscheinlich mein baldiges Erscheinen dem geübten Hörer ankündigen wird. Ich klopfe an und will direkt hinein gehen, aber die Tür ist abgesperrt. Zack, Zeh gestoßen. Ich fluche leise.  Drinnen vernehme ich Geräusche und gehe so davon aus, dass die kleine Ratte schon wach ist. “Ey Arschlosch”, rufe ich “hör auf an Dir rumzuspielen und mach die Tür auf.” Natürlich passiert im ersten Moment nichts, er will mich ärgern. So greife ich zu Plan B und gehe die Treppe herunter zum Stromkasten. Hier kümmere ich mich darum, dass die Sicherung für sein Zimmer Probleme bekommt. Direkt höre ich ein wütendes Geräusch von oben und schon steht der kleine neben mir. “Was ist denn” kommt die mürrische Frage. “Ich dachte, wir hängen ein wenig ab, trinken ein paar Bier und freuen uns auf heute Abend”, teile ich ihm grinsend mit. Seine Augen leuchten, da ich ihm gestern Abend noch versichert habe, eher würde ich mich von einem betrunkenen Wiesel begatten lassen, als ihn heute Abend mitzunehmen. Begeistert rennt er nach oben. “Ich habe noch Zigaretten” höre ich ihn rufen, während ich ihm zu meinem Zimmer folge. Dort angekommen, mache ich uns jeweils ein Bier auf und er zündet zwei Zigaretten an. “Silent Hill, äh” meint er mit einem verächtlichen Blick auf den Fernseher. Für ihn gibt es nur Resident Evil und sonst nichts in der Hinsicht. Mir gefällt halt beides. Jedem das seine. “Wer kommt denn heute Abend alles mit” fragt er mich. “Achim, Julius und Ralf”, meine Antwort. Dies sind meine drei besten und ältesten Freunde, mit denen ich schon viel erlebt habe und noch mehr erleben will. Wir verstehen uns prima. Haben denselben Humor (gut) und denselben Frauengeschmack (schlecht). Wir trinken gerne zusammen und reden über alles, was uns Nerds so gefällt. Seien es nun die neuesten Comics, die aktuellen Filme, Computerspiele oder scharfe Chicks. Wir tauschen uns über alles aus. Aktuelles Hauptthema ist jedoch die Freundin von Ralf. Er hat diese nun schon eine Zeit lang und entfernt sich immer mehr von uns. Dies sorgt auf der einen Seite für Gesprächsstoff der nicht so positiven Art (schließlich gehört sein Arsch uns) auf der andere Seite freut es uns aber auch, dass er an diesem Abend nur mit uns abhängt und Frauen draußen bleiben  (außer natürlich dem “Freiwild”, das den Fehler begeht vor Ort zu sein). Achim wechselt seine Freundinnen, wie andere Leute ihre Socken und hat es nicht so mit dem treu sein. Julius und ich sind im Moment solo. Das soll sich natürlich heute Abend ändern. Und wenn es nur für heute Abend ist. Mein Bruder redet wenig mit mir über solche Dinge. Manchmal habe ich den Verdacht, dass er mehr auf seine Kumpels steht, als auf das schwache Geschlecht. Jedem das seine. Aber als guter Bruder reibe ich ihm meine Meinung – zu seinem Mißfallen – natürlich bei jeder Gelegenheit unter die Nase.

“Cool” meint er. “Ich mag die drei Pisser. Auch wenn man Ralf leider nicht mehr so oft sieht.” “Ja” stimme ich ihm zu. “Daher freue ich mich auch, dass er heute Abend am Start sein wird”. “Und wo gehen wir hin?” fragt er mich. “Tanz in den Mai” ist meine klare Antwort. Wo sollten wir auch sonst hingehen? Wir leben in einem Dorf. Busse in die Stadt sind sehr selten. Taxis sind sehr teuer und der Führerschein ist uns zu lieb, um betrunken zu fahren. Eine zeitlang spielten wir mal “Farbe bekennen”. “Farbe bekennen” ging folgendermaßen: wir fuhren in die Diskothek. Jeder trank, was das Zeug hielt. Derjenige, dessen Urin am Ende die dunkelste Farbe hatte, musste heim fahren. Schließlich war dieser ja fast noch nüchtern. Nach einem beinahe Unfall (trotz der Reaktionsfähigkeit eines so gut wie nüchternen Fahrers) entschieden wir uns, dann doch lieber für eine Taxifahrt zu sparen und in der Zwischenzeit daheim einen drauf zu machen. So gab es dann einmal im Monat eine Fahrt nach Saarlouis, der nächsten Stadt bei uns. Die anderen Abende verbrachten wir abwechselnd bei Achim, Julius, Ralf und mir. Die wenigen Feste in unserem Ort waren also immer Höhepunkte, auf die wir uns sehr freuten. So wie heute Abend.

“Tanz in den Mai” wiederholt mein Bruder. “Coool. Schön einen saufen und was klarmachen”. “Kommen Deine Kumpels auch, oder wen willst Du klarmachen” sage ich und heimse mir damit einen bösen Blick ein. In diesem Moment klingelt es an der Tür. Ich renne die Treppe hinunter und sehe die Silhouetten von Achim und Julius draußen stehen. Ich öffne die Tür, sage “zu scheiße” (in Anlehnung an den Film Fight Club. Kennt Ihr die Szenen, in denen die Anwärter für Projekt Chaos ins Haus wollen? Genau der Scheiß) und schlage die Tür wieder zu. Nach einem Moment der Genugtuung öffne ich die Tür wieder und starre in die genervten Gesichter meiner Kumpels. “Witzig”, meint Achim “also beim ersten Mal. Du weißt, dass es beim gefühlt hundertsten Mal nicht mehr so witzig ist?”. Ich grinse und mache die Tür weiter auf. “Hi Leute, kommt rein” höre ich mich sagen und die zwei Helden machen sich auf in den Weg in mein Reich.

“Der Aal” höre ich Julius rufen, der anscheinend meinen Bruder entdeckt hat. Den Spitznamen “Aal” hat dieser sich eingefangen, weil er beim Fußball immer unaufhaltsam dribbelt, quasi aalglatt, wie wir auch dazu sagen. Auch Achim sieht meinen Bruder und die drei begrüßen sich. “Wo ist Ralf” frage ich und bekomme die erwartete Antwort. “Bei seiner Alten natürlich” meint Achim. “Wenn er heute Abend Freigang will, muss er auch etwas dafür tun”, ergänzt Julius“, daher werden wir ihn wahrscheinlich demnächst noch weniger sehen”. “Aber heute Abend ist er uns” sage ich und freue mich noch mehr auf diesen Abend mit meinen Kumpels und meinem Bruder.

“Ich habe eine Idee”, meint Achim belustigt. “Wenn er uns die nächste Zeit sowieso verwehrt wird, dann reissen wir Ralf gleich jetzt aus den Klauen der Irren. Dann haben wir ihn für den Tag und die Nacht”. “Cool”, meine ich. “Dann kommen wir vielleicht noch rechtzeitig zum Fußball”. Fußball ist an dieser Stelle vielleicht etwas überbewertet. Jeden Samstag am frühen Nachmittag trifft sich die Dorfjugend auf dem örtlichen Bolzplatz, zum “Fußball”. Wobei das was geboten wird, eher einem “Idiotenflipper” gleicht, da die meisten Leute nicht spielen können und nur wild um sich schießen. Dies führt dazu, dass der Ball wild über den Platz gehetzt wird und an den einzelnen Personen abprallt oder weitergeschossen wird, wie eine Flipperkugel von einem Bumper im Flipper. Trotzdem macht es uns richtig Spaß, was nicht zuletzt am ordentlichen Bierverbrauch, während des Spielens liegt.

Also machen wir uns auf den Weg, um Ralf aus “den Klauen der Irren zu reissen“, wie Achim es treffend formuliert hat. Der Weg zu Ralf dauert schon ein Stück und so beschließen wir, Achims Auto zu nehmen. Fünf Minuten später stehen wir vor der Tür von Ralfs Eltern und ich betätige die Klingel. Kurz darauf macht Ralf auf und schaut uns entgeistert an. “Hey Leute” stammelt er verlegen “ich dachte es geht erst heute Abend los. Jane und ich schauen gerade gemütlich einen Film.” “Ich kann mir schon denken was für einen”, sagt Achim und nickt in Richtung der Beule, die sich in Ralfs Jogginghose abzeichnet. Dieser wird rot im Gesicht. “Komm schon Alter”, meint Julius. “Dass du heute mit uns raus darfst”, bei dem Wort darfst zuckt Ralf kurz zusammen, “bedeutet doch, dass wir uns demnächst nicht mehr so oft sehen. Also dachten wir uns, dass…” “RAAAAAALFF” schrillt in diesem Moment eine Frauenstimme von oben “wo bleibst Du denn”.

“Ich weiß nicht so recht Jungs”, meint dieser. “Ich habe Jane schließlich versprochen, dass ich den Film mit ihr schaue und wir uns einen schönen Nachmittag machen.” “Ich kümmere mich darum”, sage ich. Und ehe Ralf widersprechen kann, mache ich mich auf den Weg zu Jane. Da Jane und ich nicht gerade die besten Freunde unter Gottes schönem Himmel sind, will ich die Sache schnell hinter mich bringen. Ich gehe zu ihr und sage gerade heraus, was ich denke. “Jane”, beginne ich “du und Ralf verbringt sehr viel Zeit miteinander. Das ist auch gut so, denn schließlich soll Ralf auch üben damit er gut ist, wenn er  mal eine richtige Freundin bekommt”. Ich ernte einen wütenden Blick. “Was ich damit sagen will”, fahre ich fort “ist, dass wir ihn heute gerne ganz für uns hätten. Du hängst Tag und Nacht mit ihm ab. Wir sagen ja auch nichts dagegen. Aber manchmal wollen wir ihn mal ganz für uns haben”. Damit sage ich (in meinen Augen sehr nett) genau das, was alle Freunde mal den festen Freundinnen ihrer Freunde sagen sollten. Zumindest dann, wenn die Situation so ist, wie bei Ralf.

Achims Freundinnen sind wahrscheinlich froh, wenn er mal länger als bis zum Frühstück bleibt, denke ich mir innerlich grinsend. Jane scheint keine Lust auf Ärger zu haben, denn sie schaut mich nur an und sagt “OK”. Kampf gewonnen! Ich eile wieder herunter zu meinen Leuten und verkünde die frohe Nachricht. Alle sind happy, außer Ralf. Er weiß wahrscheinlich schon jetzt, dass das ein Nachspiel für ihn haben wird. Und hier reden wir nicht von dem Nachspiel beim Sex.

Glücklich ziehen wir von dannen in Richtung Bolzplatz. Da der Platz sehr nahe an Ralfs Elternhaus gelegen ist, muss Achim nicht mehr fahren und wir können uns ganz dem “Idiotenflipper mit Biersauce” widmen.  Der Tag verfliegt und schon bald beginnt die Dämmerung.

“Mann bin ich jetzt fertig” stöhnt Achim, der alles gegeben hat (in einem Arbeitszeugnis würde etwas von stets bemüht stehen). “Jo, geiles Spiel”, meint Julius “und der Aal hat seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht”. Wir lachen alle. “Gut” meine ich “dann jeder heim duschen, bei Achim vorglühen und dann ab zur Party”. Mein Bruder und ich beschließen, bei Achim zu duschen, da der Weg nach Hause doch etwas zu weit ist. Julius geht nach Hause, da es nahe gelegen ist. Ralf bittet Achim auch um Dusch-Exil, da er Jane nicht zu schnell wieder begegnen möchte. Das Exil wird ihm natürlich gewährt.

 

 

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filmstarts
Quelle: Filmstarts

Hallo liebe Krötmunity,

der (mit Sicherheit) von Euch erwartete UJM ist heute leider nicht in der Lage, eine Rezi zu schreiben. Keine Angst, es geht ihm gut (was vielleicht nicht jedem gefällt) er hat nur leider einfach keine Zeit. Auf dieses Thema werde ich nicht weiter eingehen. Es ist ja nie UJM, der sagt „Der Blog ist das wichtigste“, „wie, Du hast keine Zeit zum Schreiben“, „die Leser verlassen sich auf uns“,… Aber ich springe gerne für ihn ein.

Nun zum heutigen Thema. Es wird tatsächlich eine Filmrezension sein. Und zwar geht es um einen Film, dem WICHTIGE Bücher vorangegangen sind. Wir sprechen hier von der SAGA um den Dunklen Turm. Geschrieben von Stephen King. Es ranken sich viele Mythen um diese Bücher, zum Teil sind sie Herrn King selbst unheimlich. Er schrieb einmal darüber, dass, zwischen Teil 1 und 2, fast zwanzig Jahre gelegen haben, da etwas ihn daran hinderte, zu schreiben. Die Bücher handeln vom letzten Revolvermann, Roland Deschain von Gilead. Rolands Aufgabe ist es, den dunklen Turm zu finden und den Mann in Schwarz zu jagen. Soweit, so gut. Hier in die Details der Bücher zu tauchen, würde einfach zu viel werden. Ich könnte fast genauso viele Seiten über diese Bücher schreiben, wie deren länge selbst beträgt. Es gibt sogar 2 Nachschlagewerke, zu den Büchern. In diesen werden Orte, Handlungen, Personen,… erklärt. Es gibt auch Comics, die teilweise deren Vorgeschichte erzählen. Die Reihe um den dunklen Turm ist Stephen Kings wichtigtes Werk, wie er selbst sagte. Daher wundert es nicht, dass sehr viele seiner anderen Bücher, sich im Turm einen Cameo Auftritt leisten. Sei es „ES“, „Atlantis“, „The Stand“, „Insomnia“, „Brennen muss Salem“,… Der Turm hat alle in sich:)

Ich habe die Turm Reihe verschlungen und seit dem nichts, aber auch wirklich nichts, vergleichbares mehr gelesen. Nein, auch nicht „Das Lied von Eis und Feuer“ (GOT), reicht an den Turm heran. Es handet sich um insgesamt 8 Bücher und über 4000 Seiten. Das Setting liegt irgendwo zwischen Western, Horror, Fantasy und Postapokalypse. Diese Bücher haben mich immer beeinflusst und ich liebe sie. Die Art und Weise, in der Roland, mit seinen Kumpanen, seine epische Suche durchwandert, ist genial. Es kommen soviele Anspielungen auf andere Werke und (wie bereits gesagt) Kings eigene Werke vor, dass es richtig Spaß macht, danach zu suchen. Es gibt sogar eine eigene Wiki Seite für die Bücherreihe. Ich werde nicht näher darauf eingehen, weil dies keine Buch Rezension ist, sondern eine Filmrezension. Daher kommen wir nun zum Film.

forumla.de
Quelle: Forumla.de

Tatsächlich waren UJM (Bücher nicht gelesen) und ich in dem Film. Ich hörte im Vorfeld schon (eher schlechtere) Kritiken, von denen ich mich jedoch nicht beeinflussen ließ. Meine Erwartungen waren sowieso nicht allzu hoch, da ich wusste, dass der Film nach den Büchern spielt. Sprich: Narrenfreiheit. Und ich musste mich damit abfinden, dass Roland nicht von meinem Favoriten (William Fichtner) gespielt wurde, sondern vom omnipräsenten Idris Elba. Nun gut, damit muss ich leben. Ich zog also mein „19 SCHRULL“ T-Shirt an und ging mit UJM in … ein leeres Kino. Verwunderlich, da der Film erst vor 3 Tagen gestartet war. Ich grübelte noch über die Frage, wie alles in einem Film abgehandelt werden soll (wir erinnern uns an 8 Bücher und über 4000 Seiten), während Werke, wie zum Beispiel „Der Hobbit“, welches ein Büchlein ist, in 3 Filmen gezeigt wurde. Meine Überlegungen wurden durch den Film unterbrochen. Ich werde auch hier nicht in Details eingehen, musste jedoch, nach 15 Minuten, festellen: VERGISS DIE BÜCHER. Der Film kommt tatsächlich mit ca. 0,05 Prozent der Inhalte selbiger aus. Unfassbar für mich, bis ich mich an UJM wandte und ihn nach seiner Meinung fragte. Er meinte, es sei ein guter Film. Also blendete ich die Bücher aus (SEHR schweren Herzens) und nahm den Film als Film. Ich freute mich über Cameo Auftritte von Cujo, dem Zimmer 1408, Oy (der leider nur als kurze Anspielung auftauchte) und weiteres. Der Handlungsstrang des Filmes, der für sich genommen sehr gut ist, hat halt nur nicht viel mit den Büchern zu tun.

bild.de
Quelle: Bild.de

Idris Elba spielt in meinen Augen mittelmäßig, während Matthew McConaughey einfach brilliert. Er spielt den charmanten, aber herzlosen Bösewicht schlichtweg genial und erinnert an Jessica Jones´Gegenspieler Killgrave, den David Tennant ähnlich perfekt mimte. Dennoch kommt er nicht an die Bösartigkeit seines Charakters im Buch heran. Jake kommt auch vor, daber das war es dann mit Hauptcharakteren aus dem Buch (abgesehen von der kurzen Szene mit Rolands Vater). Schade, aber abzusehen. Es ist halt die Elba / McConaughey– Show, wie mir schon im Vorfeld bewusst wurde. Wir erleben eine spannende und epische Story und werden echt gut unterhalten. Langeweile kam keine auf. Nur eine kleine Trauer, dass nicht mehr vom eigentlichen Werk verfilmt wurde, als 0,05 Prozent.

Doch noch kurz zur Story (bin ja kein Unmensch:): Der Mann in Schwarz flieht und der Revolvermann folgt ihm. Die Handlung spielt in unserer und einer weiteren Welt, die unserer ähnelt. Mittelpunkt aller Welten bildet der Turm, den der Mann in Schwarz zerstören will. Eine Schlüsselfigur in beiden Welten (die man über alte und vergessene Schnittpunkte erreicht) und auch die wichtigste Waffe zur Zerstörung des Turms, ist Jake, der Begleiter des Revolvermannes. Den Turm zu zerstören, würde jedoch zum Ende von allem führen und deshalb versucht der Revolvermann eben dies zu verhindern.

Fazit: Ein guter mysthischer Endzeitfilm, mit Western Elementen, der den (unwissenden) Zuschauer mit einem tollen Gefühl aus dem Kino gehen lässt. Denn Grundelemente, der (genialen) Story, enthält er schließlich. Den Fans der Bücher sei gesagt: Ihr bekommt ein softes Wiedersehen mit den Werken, werdet aber enttäuscht sein, wenn Ihr eine Verfilmung à la „Harry Potter“ erwartet. Dennoch auch für King Fans ein toller Film, da es viele viele schlechtere Filme gibt, deren Vorbild die Werke des Meisters sind.

Für den Abgang noch das Gedicht, welches die literarische Inspiration für Stephen Kings Turm SAGA ist: Herr Roland kam zum finstren Turm, von Robert Browning:

pinterest
Quelle: Pinterest
Das Gedicht Anmerkungen
Zuerst durchfuhr mich´s: Lug ist, was er spricht,

Der weißgeharrte Krüppel, dessen Blicke
Voll Bosheit schielen, ob die Lüge glücke;
Wie zuckt der falsche Mund, als trüg´ er´s nicht
Den Hohn zu hehlen, der verdammte Wicht,
Ob diesem neuen Opfer seiner Tücke !

Hier erkennen Susannah und Roland Dandelo wieder, der sich

als Collins ausgab und sie in seine Falle locken wollte. (An
anderer Stelle sagte King einmal, der erste Satz habe ihn zu
der Figur des Walter O’Dim inspiriert.)

Wozu stand er mit seinem Stab sonst da,

Als daß er allen Wandrern Schlingen lege,
Die gläubig ihm befragt um Pfad´und Stege ?
Sein schädelgleiches Lachen hört´ ich, sah
Im Geist die Krücke meine Grabschrift, ha!
Kritzeln, zum Zeitvertreib, im staub´gen Wege.

Auch dies beschreibt Dandelo und das, was sie soeben in seiner

Hütte erlebt haben. Susannah begreift, dass dieses Gedicht
Kings Inspiration für seine lange Geschichte war. Roland geht
davon aus, dass Browning Susannah und ihn irgendwie hier
gesehen haben muss, um das schreiben zu können.

Wenn ich nach seinem Wort mich seitwärts wandte

Zu dem verruf´nen Ort, des Wüstenei
Den finstern Turm umschloß. Doch sonder Scheu
Ritt ich, wohin er wies, und in mir brannte
Nicht Stolz noch Hoffnung, da er mich entsandte,
Zur Freude, daß ein Ziel mir nahe sei.

 
Zog ich durch Jahre doch die Welt entlang

Und hatte nie, was ich gesucht, gefunden.
Mein Hoffen war zum Schatten hingeschwunden,
Dem lauter Siegesjubel fremd entklang:
So duldet´ ich´s, daß Lust mein Herz durchdrang,
Als ihm am Ziel sich zeigten Tod und Wunden.

 
Wie wenn ein Kranker an dem letzten Tag

Lebwohl den Freunden sagt mit Mund und Händen
Und tot erscheint und fühlt, die Tränen enden,
Und hört, wie einer all´ aus dem Gemach
Hinausweist, frei zu atmen, da den Schlag,
Der niederfiel, kein Jammer mehr kann wenden.

 
Und man berät schon, ob bei seinen Ahnen

Noch Raum für ihn sei, wann dem toten Leibe
Bestattung werd´, und ob man´s rasch betreibe;
Von Kränzen spricht man, Schleifen, Trauerfahnen –
Und er vernimmt´s und fleht, daß er die Bahnen
Solch zarter Lieb´ nicht kreuz´ – und leben bleibe.

 
So war auf dieser Leidensfahrt so lange

Ich umhergeirrt, so oft schon war Mißlingen
Mir prophezeit gleich allen, die zu dringen
Zum finstern Turm verflucht in heißem Drange,
Daß fest ins Aug´ ich sah dem Untergange,
Konnt´ ich den Tod der Helden nur erringen.

(Rolands lange Suche und die häufigen Wiederaufnahmen

seiner Reise werden angedeutet. Prophezeiungen spielen
bei Rolands Wanderungen ebenfalls eine wichtige Rolle.)

Still wie Verzweiflung schaut ich nicht zurück,

Zum Pfad einlenkend, nach des Zwergs Grimasse.
Schon neigte sich der Tag, der trübe, blasse,
Dem Ende zu, doch kündend Mißgeschick,
Schoß er noch einen grimmen roten Blick
Zum Blachfeld, ob es fest sein Opfer fasse.

 
Doch als mein Roß ein-, zweimal ausgeschritten

Und ich mein Heil dem Blachfeld sah verpfändet,
Da hab´ ich einmal noch den Blick gewendet
Zur sichern Straße, drauf ich hergeritten:
Ich fand sie nicht. In grauer Ebne Mitten
hielt ich, und jedes Zaudern war verschwendet:

 
Ich mußte vorwärts. Nie noch sah mein Aug´

So ärmlich, sonder Adel die Natur:
Nicht Baum noch Blume sog hier Nahrung, nur
Trespen und Wolfsmilch und gemeiner Lauch,
fortwuchernd rings nach niedern Unkrauts Brauch ;
Die Klette wäre Kön´gin solcher Flur.

 
Hob sich ein Distelstengel aus den Reih´n

Der Brüder war der Kopf ihm abgerissen:
Des Ampfers rauhe Blätter schau! zerschlissen,
Durchlöchert, daß der letzte grüne Schein
Verschwunden war. Drang wohl ein Tier hier ein,
Das fühllos sei und zersplissen ?

 
Spärlich das Gras, wie Aussatzkranker Haar ;

Im Kote, der mit Blut verknetet schien,
Stak hier und da ein kläglich Hälmchen drin.
Ein blindes Pferd, des Glieder steif und starr,
Stand staunend, wie´s hierher verschlagen war:
Alt und verbraucht ließ es der Teufel ziehn.

Eine deutliche Anspielung auf Dandelos krankes Pferd Lippy.
Ob es noch lebt ? Es stand vielleicht seit Stunden,

Den roten hagern Hals weit vorgereckt,
Von rost´ger Mähne dicht das Aug´ verdeckt ;
War je solch Grau´n mit solchem Leid verbunden ?
So tiefen Abscheu hatt´ ich nie empfunden:
Es war verdammt, sonst hätt´ es Weh geweckt !

Noch einmal Lippy.
Ich schloß die Augen, kehrend sie nach innen.

Wie Wein der Krieger fordert vor dem Streiten,
Rief ich nach einem Trunke froh´rer Zeiten,
Daß Kraft mir sei zu kühnlichem Beginnen.
Dem Kämpfer ziemt´s, bevor er ficht, zu sinnen:
Ein Schmack des alten Glücks hilft fürder schreiten.

 
Jung Cuthberts blühend Antlitz rief ich wach,

Um das die goldnen Locken fröhlich wallten ;
Mir war´s, als legt´ er, um mich festzuhalten,
Zärtlich den Arm in meinen, wie er pflag,
Der liebe Bursch.. Ach, eine Nacht der Schmach !
Die Glut erlosch, mein Herz fühlt´ ich erkalten.

Nicht nur fällt der Name von Rolands Jugendfreund

Cuthbert (Allgood); Roland erkennt in diesem Vers
den Streit wieder, den sie in Mejis wegen
Susan Delgado hatten, was ihr Ka-Tet auf
eine harte Probe stellte.

Der Ehre Seele, Julius, sah ich dann,

So frank, wie da man ihn zum Ritter schlug.
Was Helden wagten, wagt´er, kühn wie klug…
Ein Wandel ! Pfui ! Der Henker hängt den Bann
Ihm vor die Brust. Die Mannen spei´n ihn an,
Und den Verräter trifft des Volkes Fluch !

 
Besser dies heut als solch vergangner Graus.

Zurück zum Pfad, den schon die Nacht umgraute !
Nichts regte sich, soweit das Auge schaute.
Traut auch der Schuhu nicht, die Fledermaus
Sich her? Da – aus dem Sinnen riß heraus
Ein Etwas mich mit unheimlichen Laute.

 
Ein kleiner Fluß durchkreuzte jäh den Pfad,

Wie eine Schlange plötzlich dich umzischt ;
Kein Bach, der träum´risch sich der Dämmrung mischt:
Er schoß dahin, dem glüh´nden Huf ein Bad
Des höllischen Feinds, der flockenschäum´ge Gischt
Des schwarzen Strudels raste früh und spat.

 
So klein, und doch so giftig! Rings am Rande

Knieten verhärmte Erlen im Verscheiden,
Kopfüber stürzten sich zerzauste Weiden
Verzweifend in die Flut vom sichern Lande,
Doch er, der sie versenkt in Weh und Schande,
Stürmte vorbei, nicht achtend ihrer Leiden.

 
Wie ich hindurchritt, wähnt´ ich immerdar

Auf eines Toten weiche Wang zu treten.
Ich stieß den Speer zum Grund in brünst´gem Beten
Und traf, so schien´s, der Leiche Bart und Haar…
Vielleicht, daß es nur eine Ratte war,
Doch klang´s, als schrie ein Kind in Todesnöten.

 
Aufatmet´ ich, wie ich das Ufer fühlte –

Ein besser Land ! Vergebliches Verlangen!
Wer waren sie, die hier so wild einst rangen,
Daß ihr Gestampf den feuchten Grund zerwühlte
Zum Sumpf, da ihre Wut schier nie verkühlte,
Wie wilder Katzen hinter glüh´nden Stangen ?

 
Wo blieb das Ziel? Ob ich es nimmer?

Nichts in der Ferne als die fahle Nacht!
Nichts, was den Pfad mir wies! Wie ich so dacht´,
Da traf ein ries´ger Vogel, ausgespannt
Die schwarzen, drachengleichen Schwingen, sacht
Mein Haupt. War der zum Führer mir gesandt?

 
Ich schaut´ empor. Da war mit einem Male

Kein Fleckchen mehr der Ebne zu erblicken,
Nur Berge rings, darf dieser Name schmücken
häßliche Höh´n und Haufen, grau und kahl –
Wie kam ich nur hinein in dieses Thal?
Wie sollte mir´s, ihm zu entrinnen, glücken ?

 
Doch meint´ ich fast, ich wär´ einmal vor Zeiten

Auf solchem Unheilspfade schon gegangen,
Vielleicht im Traume. Dicht und dichter drangen
Die Hügel her. Hier gab´s kein Vorwärtsschreiten!
Da rasselt was, als hört´ ich niedergleiten
Ein Fallenthor. Bei Gott, ich war gefangen!

 
Und glühend kam es über mich im Nu:

Dies war der Ort! Zur Rechten dort zwei Höh´n,
Geduckt wie Stiere, die den Feind erspähn –
Ein öder Berg zur Linken: Schläfer du!
Du stehst am Ziel und träumst in träger Ruh´,
Und gabst ein Leben doch, um dies zu sehn!

 
Was lag inmitten als der Turm der Schrecken?

Blind wie ein Narrenherz, rund, unzerspellt,
Aus braunen Quadern, einzig auf der Welt…
So zeigt der Sturmes Elf im Meeresbecken
Das Riff dem Schiffer, höhnend ihn zu necken,
Just da ihm krachend Bug und Kiel zerschellt.

 
Konnt´ ich nicht sehn? O ja! Schier wollt´ es tagen

Zum zweiten Mal: aus Wolken brach heraus
Der Sonne letzter Strahl, zu schau´n den Graus.
Die Höh´n, wie Riesen auf em Anstand lagen,
Haupt in die Hand gestützt, das Wild zu jagen:
„Stoßt zu und macht dem Tierlein den Garaus.“

 
Nicht hören? O, laut klang mir´s in den Ohren

Wie Glockenschall. Die Namen all der Scharen
Vernahm ich, die vor mir des Weges gefahren,
Wie jener kühn war, dieser auserkoren
Vom Glück, und der vom ruhm – hin und verloren
Die Helden alle weh! seit langen Jahren!

 
Sie standen, bleiche Schemen, in der Runde,

Des Endes harrend, starrend unverwandt
Der Opfer jüngstes an. Im Flammenbrand
Sah und erkannt´ ich all´ in dieser Stunde,
Doch keck führt´ ich mein Hifthorn bis zum Munde

Und blies: „Zum finstern Turm kam Herr Roland! „

Quelle des Gedichtes

Beitragsbild: Mirf.ru

Stay Tuned, Leute!